Montagsinterview mit dem neuen CDU-Kreisvorsitzenden Timo Lübeck

„Wir müssen jetzt liefern“

Wittert Frühlingsluft und sieht eitel Sonnenschein für die CDU im Kreis: Der neue Parteivorsitzende Timo Lübeck beim Fototermin nach dem Interview mit unserer Zeitung im Schilde-Park in Bad Hersfeld. Foto: Struthoff

Hersfeld-Rotenburg. Auf ihrem Kreisparteitag in Niederaula hat die CDU Anfang März den 30-jährigen Timo Lübeck zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt. Kai A. Struthoff sprach mit ihm über den Generationswechsel in der Partei.

Herr Lübeck, wie waren die ersten Wochen als neuer Kreisvorsitzender?

Timo Lübeck: Es macht Spaß, weil wir ein gutes Team sind. Die CDU im Kreis ist so stark, wie schon lange nicht mehr. Wir haben uns eine straffe Agenda gesetzt, die jetzt abgearbeitet wird. Unter anderem werden wir bei unseren Parteitagen vom Delegierten- zum Mitgliederprinzip wechseln, um alle Parteimitglieder an den Diskussionen und Entscheidungen zu beteiligen. Außerdem will ich die Vernetzung der Städte- und Gemeindeverbände verbessern.

Man hört aber auch kritische Stimmen, die Ihrem Team mangelnde Erfahrung vorwerfen.

Lübeck: Das habe ich so nicht gehört. Im Gegenteil: Wir erhalten viel Rückendeckung, weil die Mischung aus Neuen und Erfahrenen stimmt. Die Wahlergebnisse waren ja auch entsprechend. Aber natürlich kann ich als junger Vorsitzender nicht erwarten, dass sofort alle vor Begeisterung auf den Stühlen stehen. Nach den Vorschusslorbeeren müssen wir jetzt liefern. Bilanz wird in zwei Jahren gezogen.

Die CDU hat mit Christian Grunwald in Rotenburg und Markus Becker in Ronshausen Erfolge gefeiert und doch in ihrer Hochburg, Bebra, das Rathaus verloren. Geht es in der Kommunalpolitik mehr um Personen als um Parteien?

Lübeck: Bei den Bürgermeistern wählen die Menschen vor allem die Personen. Allerdings stört mich bei einigen unabhängigen Bewerbern, dass sie den Nimbus der moralisch besseren Kandidaten pflegen, weil sie angeblich für alle sprechen würden. Man ist nicht besser oder schlechter, nur weil man parteiunabhängig antritt.

Gleichwohl fragen sich vielleicht die Wähler, wofür die CDU im Kreis noch steht?

Lübeck: Das ist kein Kreis-, sondern ein generelles Problem, auch auf Bundesebene, speziell in Zeiten der großen Koalition. Die CDU steht für solide Finanzen und wirtschaftliche Vernunft. Die Handschrift der CDU im Kreis ist deutlich zu erkennen. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren unter Landrat Dr. Schmidt enorm aufgeholt. Der Arbeitsmarkt brummt. Wir sind mit Fulda Spitze in Nordhessen.

Ist das ein Verdienst der CDU oder nicht eher von Amazon?

Lübeck: Das ist ein Beweis dafür, dass die von der CDU in Bund, Land und Kreis geschaffenen Rahmenbedingungen gestimmt haben. Das gilt nicht nur für Amazon, sondern noch viel mehr für K+S. Deshalb war der Besuch und die Rückendeckung von Ministerpräsident Volker Bouffier bei K+S vergangene Woche so wichtig. Was wir hier im Landkreis erreicht haben, darf in den kommenden Jahren nicht wieder aufs Spiel gesetzt werden.

Damit sind wir bei der Landratswahl. Elke Künholz von der SPD steht schon in der Pole-Position, und auch Alexander Sauer als Unabhängiger gibt schon Gas. Und was tut derweil die CDU?

Lübeck: Wir schauen nicht auf andere, sondern unsere Inhalte und unser Personalvorschlag muss überzeugen. Und dabei lassen wir uns nicht hetzen. Der Vorstand hat jetzt eine Findungsgruppe eingesetzt. Wir wollen unseren Kandidaten im Herbst vorstellen.

Alexander Sauer war früher in der CDU und steht weiterhin für viele Themen Ihrer Partei. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Lübeck: Ich kann das nicht so furchtbar ernst nehmen: Herr Sauer war erst in der CDU, dann in der AfD, jetzt will er unabhängig kandidieren. Erst wollte er Bürgermeister in Niederaula werden, dann Landtagsabgeordneter, jetzt Landrat. Wer weiß, was ihm bis zur Wahl noch alles einfällt. Seriöse und verantwortungsvolle Politik sieht jedenfalls anders aus.

Im Bad Hersfeld Parlament sind die profiliertesten CDU-Mitglieder, Michael Bock und Uwe Kohlstädt, in der NBL. Von der Stadtverbandsvorsitzenden hört man wenig und im Stadtparlament macht Gunter Grimm eine One-Man-Show.

Lübeck: Das sehe ich anders. Natürlich war das Ergebnis der Kommunalwahl in Bad Hersfeld enttäuschend. Aber die Fraktion arbeitet engagiert und besetzt, etwa bei der Unterstützung der Bürger auf dem Wehneberg, die richtigen Themen. Es gibt ein großes bürgerliches Potential in der Stadt und die Mehrheitsfraktion ist aufgelöst. Das ist unsere Chance. Wir wollen bei der nächsten Wahl stärker werden. Deshalb werden wir mit dem Stadtverband eng und gut zusammenarbeiten.

Wie geht es weiter in Ihrer Heimatgemeinde Haunetal und dem dauerkranken Bürgermeister Euler, den ja auch Ihre Partei aufs Schild gehoben hat.

Lübeck: Die momentane Situation ist für Haunetal ziemlich unerträglich. Herr Euler ist von den Bürgern gewählt und trägt eine besondere Verantwortung. In seinem eigenen Interesse sollte er so schnell wie möglich Klarheit schaffen, ob eine Rückkehr in absehbarer Zeit realistisch ist. Sollte ihm das Vertrauen fehlen, muss er die Konsequenzen ziehen. Und zwar kostengünstig für die Gemeinde.

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