Sandra Mertin schließt ihren Kostümverleih am Johannesberg in Bad Hersfeld

„Wir haben viel gelacht“

Auf dem Foto lacht Sandra Mertin zwar, der Abschied von ihrem Kostümverleih nach 13 Jahren fällt ihr aber doch schwer. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Kuh neben Huhn, Hexe neben Polizist: Noch hängen sie einträchtig nebeneinander. Doch die über 1000 Outfits in Sandra Mertins Kostümverleih werden weniger, der Rest wird demnächst in Kartons verstaut.

Nach 13 Jahren schließt Mertin zum 30. April ihren Kostümverleih am Johannesberg – aus privaten und gesundheitlichen Gründen. Der Abschied von ihrem „Projekt“ fällt ihr sichtlich schwer. „Das war keine leichte Entscheidung“, so Mertin. Vor allem, da sich kein Nachfolger für den Verleih gefunden hat. „Das ist wirklich sehr schade.“ Immerhin rund 1270 Kostüme gehörten zuletzt zu Mertins Fundus. „Ich sage immer: Andere sammeln Briefmarken, ich sammle Kostüme.“

Dabei sei sie gar keine eingefleischte Karnevalistin gewesen, als sie den Verleih vor 13 Jahren von ihrer Vorgängerin übernahm. „Das hat sich dann erst im Laufe der Zeit entwickelt“, so Mertin. Sie habe auch den Aufwand unterschätzt, denn nicht nur zur Karnevalszeit war der Kostümverleih von Sandra Mertin beliebt, auch für Mottopartys oder zur Oktoberfestzeit haben sich viele Leute am Johannesberg eingekleidet – nicht nur aus Bad Hersfeld, sondern auch aus der weiteren Umgebung.

„Muss nun besser planen“

Auch weil das Haus, in dem der Verleih samt Wasch- und Trockenraum untergebracht war, verkauft wurde, muss Mertin nun schließen. Nicht nur viele Stammkunden werden sich also zur nächsten Karnevalssaison selbst oder woanders einkleiden müssen, auch für Sandra Mertin wird sich einiges ändern: „Ich muss dann besser planen und kann nicht mehr nachmittags erst überlegen: Was ziehe ich denn heute Abend an?“, sagt Mertin lachend.

Fehlen wird ihr vor allem der Kontakt zu den Menschen, das gemeinsame Aussuchen eines passenden Kostüms und der richtigen Accessoires von den Schuhen bis zum Hut. „Auf das Waschen und Bügeln hätte ich auch verzichten können“, gesteht Mertin. In 13 Jahren habe sie natürlich auch einige lustige Dinge in ihrem Verleih erlebt, verraten will Mertin aber nichts Konkretes. Nur so viel: „Wir haben hier viel gelacht.“ Sie habe jedenfalls viele positive Rückmeldungen bekommen, und so manch einer, der zuerst gar keine Lust aufs Verkleiden hatte, sei später begeistert gewesen.

Für jeden hatte Mertin das passende Kostüm, auch wenn es nicht immer leicht war, alle Wünsche gleich zu erfüllen. „Einmal wollte jemand ein gruseliger Weihnachtsmann sein, das war eine echte Herausforderung“, erinnert sich Mertin. Aber auch diesem Mann habe sie ein tolles Ensemble zusammenstellen können.

Nicht alle Kostüme kamen im Laufe der Jahre komplett wieder zurück. Der ein andere oder andere Jeck habe beim wilden Feiern schon mal ein Teil zerstört oder liegen gelassen. Manchem Vergesslichen musste die Bad Hersfelderin auch sein Kostüm für die Party noch hinterherfahren.

Ein paar ihrer Lieblingskostüme wird Sandra Mertin natürlich behalten, etwa die Piratin und den Hippie. Zumindest für die nächsten Partys ist sie damit erstmal auf der sicheren Seite.

Von Nadine Maaz

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