Vorrang für Straßenmeistereien: Gemeinden und Privatleute gucken in die Röhre

Winterstart: Salz am Ende

Winterdienst extrem: Unter diesem künstlich aufgetürmten Schneeberg an der Sommerseite in Bad Hersfeld ist augenscheinlich ein Opel Corsa verschwunden. Foto: Hornickel

Hersfeld-Rotenburg. Erst am morgigen Mittwoch beginnt kalendarisch gesehen der Winter, doch das Streusalz ist bei einigen Städten und Gemeinden im Landkreis schon längst alle.

Gar keine Hoffnungen brauchen sich Privatleute zu machen. „Dieses Jahr nicht mehr“, sagt die Verkäuferin im Baumarkt um die Ecke auf die Frage, wann es den wieder Streusalz in haushaltsüblicher Menge gebe. Sie kann die Frage nicht mehr hören, und weist mit einem Kopfnicken wortlos auf eine geplünderte Palette, auf der noch ein paar Säcke teuren Granulats liegen.

Die Stadt Bebra hat noch 20 Tonnen Steinsalz auf Lager. Dort wartet man seit zwei Wochen auf zwei Lastzüge vom Deutschen Straßendienst, einem Tochterunternehmen von K+S in Kassel. Deswegen werden nur noch Steilstrecken geräumt und gestreut.

Bürgermeister und Bauhofleiter in Stadt und Land haben Sparsamkeit im Winterdienst verordnet. Beispielsweise in Rotenburg reicht der Streusalzvorrat höchstens noch für drei Tage.

Die Gemeinde Breitenbach am Herzberg hat für diesen Winter acht Paletten bei der Raiffeisenwarenzentrale bestellt, aber nur zwei Paletten erhalten und musste sich schon bei Niederaula was borgen. Dasselbe gilt für die Autobahngemeinde Kirchheim, deren Winterdienst ohne Hilfe der Marktgemeinde schon längst auf Eis läge. Dort mangelt es an der Möglichkeit zur Vorratshaltung, wie Bürgermeister Manfred Koch einräumt.

In Bad Hersfeld sind die Vorräte an Auftausalz erschöpft. „Wir stellen aufs Splittstreuen um“, sagte gestern Martin Bode, der Fachbereichsleiter Technische Dienste. Eine Lieferung Schüttsalz hat die Stadt noch erhalten. Ab jetzt gelte ein Lieferstopp, so wurde Bode vom Deutschen Straßendienst mitgeteilt.

Straßen- und Autobahnmeistereien hätten Vorrang, und die Kommunen müssten sich hinten anstellen. „Nach den Erfahrungen des vergangenen Winters hatten wir alle Lager voll, aber nun gehen wir auf dem Zahnfleisch“, bekannte Martin Bode.

150 Kubikmeter lagerten im Hochsilo und weitere 100 in zwei kleineren Behältern. Mit Sole wurde das Salz angemischt, um dessen auftauende Wirkung zu beschleunigen.

Splitt als Ersatz

Diese Technik hat ausgedient. Als Ersatz hat die Stadt Bad Hersfeld sich bei der Deutschen Basalt AG 200 Tonnen Steingranulat in der Körnung 2,5 Millimeter bestellt. Die Anlage Kirschwald im Schwalm-Eder-Kreis beliefert für gewöhnlich Asphaltmischanlagen.

Um die Steinchen streuen zu können, müssen aber jetzt alle Streu-Fahrzeuge der Stadt Bad Hersfeld erst technisch umgerüstet werden. Das Steinestreuen geht ins Material.

Derweil kämpfen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Hand- und Spanndienst, mit Kleingeräten und Radladern nicht nur gegen die ständig neuen Schneefälle, sondern auch gegen die Schaufelwut der Hausbesitzer und Mieter.

Auch Martin Bode beklagt, dass viele Hersfelder ihre Schneelasten von den Privatgrundstücken auf die Straße schöben. „Kaum ist der Schneepflug durch, kann man die Straße schon nicht mehr sehen.“

Folglich müssen sich die städtischen Mitarbeiter den Gleisen widmen, die sich in der Mitte der Straßen gebildet haben.

Bode bittet darum, dass die Hersfelder den Schnee am besten auf ihrem Grundstück zwischenlagern oder auf Freiflächen abseits der Straße schieben. Durch Schneeberge und geparkte Autos werden die Straßen immer schmaler.

In Nebenstraßen gibt es mancherorts gar kein Durchkommen mehr. Die Stadt Bad Hersfeld hat permanent 25 Bedienstete und neun Fahrzeuge unterschiedlicher Größen im Einsatz. BERICHT UNTEN

PRODUKTION ...

Von Kurt Hornickel und Christina Pistor

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