Meckbacher Hollerrad live im Fernsehen – Hunderte Zuschauer bei Direktübertragung

Wintergeister vertrieben

MECKBACH. Fast schien es, als ob die mutigen Jungmänner noch kräftiger als sonst am Feuerrad drehen würden. Fast schien es, als ob die archaischen Schlachtrufe noch markerschütternder durch die Straßen von Meckbach hallten. Der Grund war einfach: Erstmals in der Geschichte von Meckbach gab es eine Live-Übertragung.

Zur besten Sendezeit des Hessischen Rundfunks rollten die Meckbacher Kirmesburschen am Samstagabend ihr loderndes Hollerrad zumindest sinnbildlich in die Wohnzimmer des gesamten Hessenlandes.

Erst am Abend zuvor hatte sich Reporterin Teresa Peters bei Jochen Blum, dem Chef der Meckbacher Kirmesburschen, angekündigt. Offenbar hat sich die Nachricht schnell herumgesprochen, denn diesmal säumten wahre Menschenmassen die Straßen des Dorfes.

Die Zuschauer mussten sich allerdings etwas gedulden. Eigentlich starten die Feuerläufer pünktlich um 19 Uhr. Die Hessenschau beginnt bekanntlich erst um halb acht. Zeit für einige Proben und Einstellungen. Auch für das Profiteam vom Fernsehen waren Licht und Leute unbekannte Größen.

Nach dem Kommando „Noch eine Minute“ zündeten die mutigen Mannen auf dem Platz vor der Dorflinde ihr Hollerrad an und setzten sich in Bewegung. Offenbar etwas zu früh, denn noch war Moderator Holger Weinert im Hessenschau-Studio damit beschäftigt, dem Redefluss einer Sprecherin protestierender Hebammen Einhalt zu gebieten.

Parka und dicke Strümpfe

Nach einer kurzen Anmoderation rollte das Hollerrad dann wie am Schnürchen funkenstiebend vor die Kamera und weiter in die Meckbacher Nacht hinein. Teresa Peters interviewte den eigentlich eher zurückhaltenden Jochen Blum. Der erwies sich als sprachliches Naturtalent und plauderte munter von alten Bräuchen und ihren Tücken. So wissen die Hessen jetzt, dass dicke Strümpfe, mehrere lange Unterhosen und ein alter Bundeswehrparka die Feuerläufer am besten vor der Hitze schützen. „Außerdem werden so die letzten Wintergeister aus den Gassen vertrieben“, erläuterte Blum der versammelten Fernsehgemeinde.

Als die Fernsehleute Richtung Frankfurt entschwunden waren, taten die Meckbacher das, was sie an Hollerrad immer tun: Am großen Feuer neben dem Sportlerheim Bierchen und Schnäpschen trinken. Einer aber brachte auf den Punkt, was viele dachten: „Endlich sind wir mal wegen was anderem im Fernsehen gewesen als wegen Mordsgeschichten“.

von Friedhelm Eyert

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