Im Interview kritisiert Bundestagsabgeordneter Helmut Heiderich (CDU) den Ausbau der Windenergie in der Region

„Windräder bringen keine CO2-Entlastung“

Gegen den unkontrollierten Ausbau der Windkraft: Bundestagsabgeordneter Helmut Heiderich (CDU) will die „Verspargelung“ der Landschaft durch Windräder verhindern und geht deshalb auf Konfrontationskurs mit der hessischen Landesregierung. Foto: Bülau

Hersfeld-rotenburg. Die Debatte um den Bau neuer Windräder im Landkreis erhitzt viele Gemüter. Jetzt hat sich auch Bundestagsabgeordneter Helmut Heiderich (CDU) scharf dagegen ausgesprochen. Für ihn bedeutet der Ausbau der Windenergie keinen Klimaschutz. Wir haben mit ihm über das Thema gesprochen.

Warum ist für Sie der Bau neuer Windräder im Kreis kein Grund zur Freude?

Heiderich: Die Frage ist, warum wir überhaupt Windräder bauen. Wir haben 2014 eine Rekordmenge Strom ins Ausland verschenkt und teilweise 6,5 Cent draufgezahlt, nur damit uns die Holländer den Strom abnehmen. Gleichzeitig sollen 50 Kraftwerke abgeschaltet werden, weil wir zu viel Strom im deutschen Netz haben. Auch die Abschaltung der Atomkraftwerke haben wir bereits durch erneuerbare Energien ersetzt. Dafür brauchen wir also keine zusätzlichen Windräder.

Experten haben zudem aufgezeigt, dass Windräder das Klima nicht schützen. Denn der Wind weht ja nicht dauernd – und jedes Windrad braucht ein Kraftwerk, um die Flaute mit Gas oder Kohle auszugleichen. Im Gesamtsystem bringen Windräder also keine CO2-Entlastung.

Aber die CO2-Bilanz für die gesamte Lebensdauer, also für Bau, Betrieb und Entsorgung, des Windrads ist doch gering.

Heiderich: Das stimmt für das einzelne Rad. Aber für das Gesamtsystem rechnet sich das nicht. Die Kraftwerke laufen normalerweise in einer Auslastung mit geringstem CO2-Ausstoß. Das ist, als wenn Sie ein Dieselauto im sechsten Gang fahren und plötzlich Tempo 30 fahren müssen. Dann können Sie sich vorstellen, was aus dem Auspuff kommt.

Die Alternative für die Nutzung von Ausgleichs-Kraftwerken wären Speicher.

Heiderich: Ja, richtig. Aber wir haben nicht genug und können auch nicht genügend bauen, weil die Bevölkerung oft gegen den Bau großer Pumpspeicherkraftwerke ist, wie aktuell im Schwarzwald. So lange wir nicht genügend Speicher haben, macht es keinen Sinn, die Windenergie weiter so massiv auszubauen.

Also wäre Ihre Marschroute: erst Speicher, dann Windräder?

Heiderich: Genau. Ich bin nicht generell gegen den Bau von Windrädern, sondern gegen die völlige Übersubvention der Windkraft. Denn dadurch steigen die Kosten für die Bürger und für den Mittelstand, während die Großindustrie von der EEG-Umlage befreit ist. Das Ganze ist kein überdachtes System.

Sie befürworten die Nutzung von Gaskraftwerken. Aber auch Gas gehört zu den fossilen Brennstoffen, die irgendwann aufgebraucht sind.

Heiderich: Das stimmt so nicht. Aussage von Statoil Norwegen: „Wir könnten ganz Deutschland hundert Jahre mit Gas versorgen.“ Diese Generation wird die der Gasenergie werden, weil wir weltweit so viele Vorkommen haben und durch neue Fördermethoden große Mengen Gas auf den Markt kommen. Gas ist nicht knapp.

Das EEG ist erst 2014 von der Großen Koalition reformiert worden. Was ist dabei Ihrer Meinung nach falsch gelaufen?

Heiderich: Bei der Windkraft geht es aktuell nicht um CO2-Sparen oder Klimaschutz, sondern schlicht um Gewinne der Investoren. Das sieht man in Sontra: Kaum ist die Anlage genehmigt, kassieren die Projektentwickler pro Windrad eine Million Euro und die Kapitalanleger aus Luxemburg machen zwanzig Jahre Gewinn. Und die Bürger und Handwerker hier vor Ort müssen es über die EEG-Umlage finanzieren. Das ärgert mich. Das System nutzt niemandem: Wir brauchen den Strom nicht, wir schützen das Klima nicht, nehmen Kraftwerke vom Netz und eine Wertschöpfung in der heimischen Region gibt es auch nicht.

Würden Sie Bürgerwindparks besser finden?

Heiderich: Bei den Dimensionen der Windräder mit Höhen von über 200 Metern geht das mit Bürgergesellschaften nicht mehr. Die Entwickler verkaufen die Windräder nur noch an Kapitalgesellschaften.

Warum haben Sie sich beim Thema Windenergie eigentlich auch mit der CDU-Landesregierung angelegt?

Heiderich: Weil Hessen zwei Prozent seiner Landesfläche für Windräder nutzen will. Wenn wir, wie das EEG vorsieht, pro Jahr Windräder mit einer Leistung von 2,5 Gigawatt zubauen würden, bräuchten wir in zehn Jahren nur 0,25 Prozent der Landesfläche. Selbst das Wind-Land Schleswig-Holstein hat den Bau von Windräder auf 1,5 Prozent der Landesfläche gedeckelt.

Und was hat Ihr Parteifreund Volker Bouffier dazu gesagt?

Heiderich: Ich sei eine Einzelmeinung. Die Kollegen aus dem Taunus und dem Spessart sind aber auch meiner Meinung – also die, bei denen es konkret wird. Ich will nicht mehr akzeptieren, dass wir Windräder dort aufstellen, wo sie dem Bürger Schatten ins Haus werfen. So etwas zu genehmigen ist unnötig, weil wir schon genug Windräder haben. Hier wird so getan: Der Bürger muss das hinnehmen, weil davon die Rettung der Republik abhängt. Aber das ist falsch. So brutal, wie man die Windräder hier durchpresst, das muss nicht sein.

Viele Windkraftgegner hier im Kreis sorgen sich um den Tourismus. Doch Touristenregionen an der Nordsee sind voller Windräder.

Heiderich: An die Nordsee fahren die Menschen wegen des Meeres, am Strand haben sie die Windräder meist im Rücken oder sie stehen weit im Wasser. Wenn hier auf allen Hügeln 200 Meter hohe Räder stehen, wird die Gegend eine andere Qualität haben. Unser Kapital sind diese Hügel und Wälder.

Von Friederike Steensen

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