250 Dinge, die wir an der Region mögen (37): Das Petersberger Windrad

Windkraft fürs Wasser

Blick vom Wilhelmshöfer Teich zum Petersberg mit Kirche. Fotos: Manns

Petersberg. Immer wieder kam es in früheren Jahrhunderten zu Problemen mit Wassermangel bei anhaltender Trockenheit in der damals noch selbstständigen Gemeinde Petersberg. Der alte Klosterbrunnen versorgte die Einwohner bis ins Jahr 1911 mit frischem Trinkwasser. Aufgrund der ständig wachsenden Bevölkerung und weil der Brunnen in trockenen Jahreszeiten nicht mehr genügend Wasser förderte, baute man eine Wasserleitung zu den Häusern im Ort.

Ein 100 Meter tiefer Brunnen wurde gebohrt und eine Förderpumpe eingebaut, die ein Windrad antrieb. Damit war lange Zeit die Frischwasserversorgung für die damals 26 Familien mit insgesamt 150 Köpfen gesichert, so steht es in der Chronik 1000 Jahre Petersberg.

Das Windrad war schon von weitem zu sehen und wurde so zum Wahrzeichen von Petersberg. Gebaut und errichtet wurde es 1911 und war bis 1960 in Betrieb. Da am Windrad immer mehr Reparaturen anfielen und es keine Ersatzteile mehr gab, wurde die Gemeinde 1960 an das Wassernetz der Stadt Bad Hersfeld angeschlossen.

Weil das Windrad für die Gemeinde keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr besaß, wurde es 1961 verschrottet. Erst einige Zeit später wurde so manchem Petersberger Bürger bewusst, das mit dem Abbau dieses markanten Wahrzeichens etwas im Ortsbild fehlte.

Die Freiwillige Feuerwehr Petersberg machte sich in den Jahren 1981/82, unter der Leitung des damaligen Wehrführers Wilhelm Tappesser daran, und baute ein Modell, nach den original vorliegenden Bauplänen des legendären Windrades, nach. Es wurde genau an der Stelle auf einen Sockel aufgebaut, an der das Alte gestanden hatte und seit dem feiern die Petersberger jedes Jahr das „Windrad-Fest“.

Modell im Festzug

Wie Wilhelm Tappesser gegenüber der HZ berichtete, kam es auf dem Tagebergfest der Bad Hersfelder Feuerwehr, zwischen ihm und dem damaligen Bürgermeister Hartmut H. Boehmer zu einem Gespräch, in dem Böhmer ihm den Vorschlag machte, dass das Windradmodell doch mal im Lullusfestzug auf einem Motivwagen mitfahren könnte. Und so kam es, dass die Feuerwehr Petersberg das Wahrzeichen des Stadtteils, den vielen Zuschauern des Lullusfestzuges präsentieren konnte. In welchem Jahr das stattfand, daran konnte sich Wilhelm Tappesser nicht mehr genau erinnern, es müsste in den Jahren 1981 bis 1983 gewesen sein.

Kirche 1754/55 gebaut

Ein weiteres markantes Wahrzeichen für den Stadtteil Petersberg ist der „Wilhelmshöfer Teich“ mit dem gegenüberliegenden Wilhelmshof, direkt an der B 62. Auf dem höchsten Punkt des Stadtteils steht die Kirche, die in den Jahren 1754/1755 gebaut wurde. Nach bisherigen Erkenntnissen ist sie auf den Fundamenten der früheren Kirche St. Marian erbaut worden.

Von Gerhard Manns

Kommentare