Willkommen in Ries-Land

Kai A. Struthoff

In Hamburg sind die Nächte lang – und im Kreis Hersfeld-Rotenburg auch, zumindest in den Wochen der Neujahrsempfänge. Man brauchte dieser Tag schon gutes Sitzfleisch, um den Veranstaltungsmarathon zu überstehen. Aber die Gemeinden und Organisationen hatten auch allen Grund zu feiern, denn unsere Städte und Gemeinden sind offenbar alle ganz gut durch die Wirtschaftskrise gekommen. Gewiss, der Kreishaushalt ist hoch defizitär, die Straßen sind voller Löcher – aber der Optimismus der Menschen scheint ungebrochen. Gerade in den kleineren Orten bewährt sich der Zusammenhalt der Gemeinschaft. Und das zusammen Erreichte kann man dann auch ruhig etwas ausgiebiger feiern.

Auch wenn die Arbeitnehmer und ihre Gewerkschaften, so wie am Wochenende die mächtige IGBCE, den Aufschwung wittern und nun verständlicherweise auch ein Stück vom Kuchen abhaben wollen – wir sind noch längst nicht über den Berg. Das beweisen drei Negativmeldungen der letzten Woche: Die Lomo-Tankkarten-Firma ReD ist pleite und macht dicht. Der Rasthausbetreiber von Kirchheim ist insolvent, und die wackere Barbara Wonneberger-Braun kämpft mit dem Mut einer Löwin um ihren Seepark, der sich mal wieder in schwerer See befindet. Optimismus? Ja, gern, aber Übermut tut selten gut.

Ries gegen den Rest der Welt – die unendliche Geschichte um den streitlustigen Bürgermeister geht in die nächste Runde. „Feigheit und bitterböse Arroganz“ wirft der Bürgermeister von Heringen Landrat Dr. Schmidt im Streit um die Hochwassersituation in Widdershausen vor. Mal wieder vergreift sich Ries dabei mächtig im Ton. Es gibt ja Kollegen, die bezeichnen den „Lonesome Rider“ von Heringen als einen Glücksfall für Journalisten – denn der Harley-Fahrer ist immer für eine Schlagzeile gut.

Aber nicht jede Schlagzeile ist gut für Heringen! Landrat Schmidt indes ist kein Mann der öffentlichen Inszenierung, er meidet die Schlagzeilen und agiert lieber unauffällig im Hintergrund – manchmal zu lange!

Dass er nun freilich „Beweisfotos“ von seinem Handy veröffentlichen lässt, um zu dokumentieren, dass er sehr wohl selbst vor Ort an der Hochwasserfront war, mutet indes schon etwas hilflos und putzig an.

Na ja, vielleicht liegt es ja am Kommunalwahlkampf, dass allerorten die Nerven blank liegen. Auch in Hersfeld wirft man sich ja inzwischen schon „Rufmord“ vor. Frostige Zeiten – willkommen in Riesland!

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