Klinikum: Patienteninformation in 18 Sprachen ist einzigartig in Deutschland

Willkommen in eigener Sprache

Der Empfang in ihrer Muttersprache soll Vertrauen bei den fremdländischen Patienten im Klinikum Bad Hersfeld wecken. Die Internationale Begrüßung in 18 Sprachen erhalten sie bei der Aufnahme. Auf unserem Foto überreicht sie deren Leiterin Gerlinde Friebertshäuser. Foto: Wink

Bad Hersfeld. Vertrauen fördert Hoffnung und beschleunigt die Genesung. Wer bei der Aufnahme in ein fremdes Krankenhaus in seiner Muttersprache wichtige und nützliche Informationen zum Klinikalltag erhält, fühlt sich nicht mehr so hilflos und fasst viel eher Zutrauen zu Ärzten und Pflegepersonal. Aus diesem Grund heißt das Klinikum Bad Hersfeld seit neuestem fremdländische Patienten in 18 Sprachen willkommen. Diese Textsammlung ist einzigartig in Deutschland.

Damit werden mehr als 90 Prozent des Fremdsprachenbedarfs der Patienten abgedeckt. Sämtliche europäischen Sprachen sind dabei, aber auch Arabisch, Koreanisch, Persisch und Tagalog, eine der Hauptsprachen auf den Philippinen. „An den übrigen Sprachen der Welt wird noch gearbeitet“, sagt Dr. Friedhelm Röder, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist seit 2003 der Migrantenbeauftragte des Klinikums.

Von der Idee einer Internationalen Patienteninformation bis zu ihrer Umsetzung vergingen vier Jahre. Zunächst wurde in Absprache mit Pflegekräften und Sozialarbeitern geklärt, welche Informationen denn von Bedeutung seien und für alle Abteilungen des Klinikums in gleicher Weise gelten würden. Daraus entstand dann ein verständlich erscheinender deutscher Text mit Informationen über u.a. Aufenthalts- und Telefonmöglichkeiten, Essensregeln, Geldautomat, Sozialdienst oder Klinikseelsorger (im Klinikum gibt es auch einen mehrsprachigen, islamischen Besuchsdienst).

Aus finanziellen Gründen erfolgte die Übersetzung nur ehrenamtlich mit hauseigenen Mitarbeitern oder deren Freunden. „Dabei stellte sich dann schnell heraus, dass das verständliche Deutsch des ersten Entwurfs doch nicht so einfach zu übersetzen war“, erinnert sich Dr. Röder. Wie sollte man z.B. „Grüne Damen“ in eine fremde Sprache übersetzen? Also wurden die „Grünen Damen“, die für die Atmosphäre im Klinikum eine wichtige Rolle spielen, als ehrenamtliche Helfer bezeichnet.

Fettnäpfchen dieser Art gab es viele. Ein weiteres: Wörtlich übersetzt wird im Türkischen aus einem Aufenthaltsraum ein „Raum zum Abhören“. „Wir konnten gar nicht dumm genug denken, um sämtliche Pannen zu vermeiden“, schildert Dr. Röder die Arbeit für die Internationale Patienteninformation.

Dann kamen die Probleme des Graphikers Christian Wink. Neben den Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung in einer fremden Sprache, gibt es oftmals noch ein eigenes Alphabet, das ein üblicher Computer nicht versteht.

Also mussten erst einmal die Texte vorbildlich per Hand oder mit speziellen Programmen geschrieben werden. Dann konnten sie als Bild eingescannt werden. Und all dies in vielen Sprachen mit anfänglich ungeahnten Anlässen zur Verzögerung. Dr. Röder: „Besonders verwunderlich war, dass wir sehr lange nach jemanden gesucht haben, der Italienisch gut schreiben kann“.

18 Sprachen beinhaltet die Patienteninformation bis jetzt. „Von den häufigsten Sprachen fehlen uns noch Thai und Japanisch“, sagt Dr. Röder. Auch an Tigrina, einer Sprache aus Somalia und Eritrea, wird gearbeitet, denn manchmal kommen auch Patienten aus Afrika ins Bad Hersfelder Klinikum. Ehrenamtliche Helfer an diesem Projekt sind gerne willkommen. Hintergrund

Von Birgit Kimpel

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