HZ-Montagsinterview mit Michael Bauer, dem Leiter des Amazon-Logistikzentrums

Mit Willen und Motivation

Der Leiter des Amazon-Logistikzentrums, Michael Bauer, in einer der riesigen Lagerhallen des Internet-Kaufhauses in Bad Hersfeld. Foto: amazon

Bad Hersfeld. Der Internet-Versandhandel Amazon gehört zu den größten und wichtigsten Arbeitgebern in der Region. Allein 3000 Saisonkräfte wurden dort für das Weihnachtsgeschäft gesucht. Darüber sprach Kai A. Struthoff mit dem Leiter des Bad Hersfelder Logistikzentrums am Eichhof, Michael Bauer.

Herr Bauer, die Wirtschaft springt wieder an, die Konjunktur brummt. Merken Sie das auch bei Amazon?

Michael Bauer: Wir haben auch während der Wirtschaftskrise ein gutes Geschäft gemacht. Das liegt daran, weil wir unseren Kunden gute Preise, eine Riesenauswahl und einfaches Einkaufen bieten. Das hilft auch über wirtschaftlich schwierige Zeiten hinweg.

Sie stecken mitten im Weihnachsgeschäft. Welche Artikel laufen besonders gut?

Bauer: Vor allem Computerspiele und Elektroprodukte wie Playstations, Mobiltelefone, Software und Fernseher. Auch unsere neuen Angebote für Autos, Motorräder oder im Bereich Baumarkt gehen gut. Aber natürlich verkaufen wir auch immer noch Bücher. Zurzeit verkauft sich das neue Papst-Buch sehr gut. Aber den typischen Harry Potter gibt es in diesem Jahr nicht.

Sie hatten 3000 Saisonkräfte für das Weihnachtsgeschäft gesucht. Haben Sie die alle beisammen oder gibt es Engpässe?

Bauer: Engpässe nicht, aber wir suchen immer noch mehrere 100 Saisonkräfte. Über 3000 Leute einzustellen ist schon eine besondere Herausforderung, die weit über eine normale Personalakquise hinausgeht.

Gibt es hier überhaupt noch genug Arbeitskräfte?

Bauer: Wir haben in der Arbeitsagentur in Bad Hersfeld einen sehr kompetenten Partner, mit dem wir lange und gut zusammenarbeiten. Aber wir suchen auch weit über die Landkreisgrenzen hinaus. Mitarbeiter kommen auch aus Frankfurt, Hanau, Darmstadt oder dem Ruhrgebiet. Manche von ihnen bilden Fahrgemeinschaften, aber wir unterstützen Mitarbeiter auch hier bei der Unterkunftssuche. Eine wichtige Rolle bei der Suche nach Personal spielen übrigens auch Empfehlungen von Mitarbeitern selbst.

Dabei hört man auch viele negative Gerüchte über Amazon. Angeblich liegt der Krankenstand sehr hoch, und es soll viele Kündigungen geben. Stimmt das?

Bauer: Nein. Unser Krankenstand weicht nicht von dem anderer vergleichbarer Unternehmen ab. Wenn man wie Amazon über 3000 Menschen einstellt, dann kommt es vor, dass davon auch wieder einige gehen. Sei es, dass der Mitarbeiter andere Erwartungen an den Arbeitsplatz hatte oder wir an den Mitarbeiter. Das ist aber ein ganz normaler Prozess.

Welche Qualifikation muss man haben, um bei Amazon zu arbeiten?

Bauer: Bei uns kann jeder Arbeit finden, es bedarf keiner besonderen Vorkenntnisse. Der Willen und die Motivation, arbeiten zu wollen, sind ausschlaggebend. Inzwischen gibt es auch spezielle Angebote im Personennahverkehr, so dass auch Leute ohne eigenes Auto bei Amazon arbeiten können.

Bad Hersfeld hat einen neuen Bürgermeister. Thomas Fehling zeigt sich sehr wirtschaftsfreundlich. Was erwarten Sie von ihm und dem Kreis bei der Zusammenarbeit?

Bauer: Wir hatten schon in den vergangenen Jahren einen sehr guten Kontakt – zur Stadt und zum Landkreis. Wir erwarten, dass diese offene Kommunikation weiter gepflegt wird. Dazu gehört auch, dass unsere Partner bereit sind, die Dinge auch mal aus Amazon-Sicht zu betrachten und vorurteilsfrei an die Themen heranzugehen.

Jetzt hat auch der neue Kindergarten „Amazonia“ geöffnet, der eine Forderung von Amazon war. Nun hören wir, dass da gar keine Kinder von ihren Mitarbeitern hingehen. Warum?

Bauer: Der Kindergarten war keine Forderung von uns, sondern ein Angebot der Stadt. Ich höre von unseren Mitarbeitern, dass die Kinderkrippe im Amazonia gut angenommen wird. Bezüglich des Kindergartens habe ich auch von Mitarbeitern gehört, dass sie ihre Kinder ja schon entsprechend unterbringen mussten, als es Amazonia noch nicht gab, und jetzt nicht kurzfristig wechseln konnten.

Wird sich Amazon an den Betreuungskosten beteiligen?

Bauer: Der Kindergarten ist kein Amazon-Angebot, und es liegt im Entscheidungsbereich unserer Mitarbeiter, dort ihre Kinder unterzubringen. Ich finde, die Auslastung muss durch Angebot und Nachfrage geregelt werden.

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