HZ-Interview mit Intendant Holk Freytag über den Streit mit dem Arbeitskreis für Musik

Ich will keinen Krach

Er will keinen Krach, aber er lässt sich auch nicht alles gefallen: Festspielintendant Holk Freytag.

Bad Hersfeld. Der Arbeitskreis für Musik (AfM) will mit einer einstweiligen Verfügung Festspielintendant Holk Freytag daran hindern, den Dresdner Kreuzchor am 5. Juli in der Stiftsruine auftreten zu lassen (wir berichteten). Über dieses neue Drama in der Stiftsruine sprach Kai A. Struthoff mit Holk Freytag.

Herr Freytag, werden Sie sich den Auftritt des Kreuzchores verbieten lassen?

Holk Freytag: Ich kann mich dazu nicht äußern, denn das betrifft ein schwebendes Verfahren. Aber ich kann es mir nicht vorstellen – ich will es mir auch nicht vorstellen, dass ein Auftritt dieses weltbekannten Chores mit juristischen Mitteln verhindert werden soll. Da muss es eine andere Lösung geben.

Der Arbeitskreis für Musik beruft sich auf geltende Verträge. Wie ist die Rechtslage?

Freytag: In dem Vertrag steht, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Beginn der vom Arbeitskreis veranstalteten Festspielkonzerte keine Konzert unsererseits mehr stattfinden dürfen. Die Frage ist nur: Was ist ein Konzert? Ich will mit dem Kreuzchor an meine Arbeit anknüpfen die wir gemeinsam schon acht Jahre in Dresden gemacht haben...

Sie sprechen deshalb von einer „szenischen Darbietung“. Gemeinhin geben Chöre aber Konzerte. Ist Ihre Definition nicht reichlich spitzfindig?

Freytag: Ich habe mit dem Kreuzchor zahlreiche Programme dieser Art gemacht. Nennen Sie das Konzert – da bin ich leidenschaftslos. Mir geht es um die wirtschaftliche und künstlerische Entwicklung der Festspiele. Etwas anderes interessiert mich nicht!

Der Arbeitskreis für Musik wirft Ihnen Anfeindungen und Provokation vor. Etwas provokant ist es schon, wenn Sie dem Ex-Kruzianer Professor Heinrich ausgerechnet den Kreuzchor vor die Nase setzen, oder?

Freytag: Ich will niemand provozieren. Wie auch? Es gibt überhaupt keine Kommunikation mit dem Arbeitskreis für Musik. Es gab auch keine Vermittlungsgespräche. Ich weiß deshalb nicht, was mir der Arbeitskreis vorwirft. Ich will keinen Krach, sondern nur schöne und erfolgreiche Festspiele haben.

Geht es bei der Auseinandersetzung nur um den Auftritt des Kreuzchores?

Freytag: Es geht um drei Veranstaltungen. Der Auftritt des Kreuzchores ist lange geplant und war allen bekannt. Außerdem geht es um eine Matinee mit „Tonart“. Ja, da wäre ich überhaupt nicht darauf gekommen, dass sie als Konkurrenz gesehen wird. Tonart ist ein hochgeschätztes, heimisches Ensemble, das hier schon oft aufgetreten ist. Und auch bei dem Auftritt von Helen Schneider bin ich nicht auf die Idee gekommen, dass er Kritik hervorrufen könnte. Die Frau ist – nicht nur hier – eine Institution. Wenn Sie kommt, tue ich doch jedem einen Gefallen.

Wie geht es jetzt weiter?

Freytag: Es läuft der Antrag auf einstweilige Verfügung in Fulda. Da wird es wohl eine Anhörung geben. Unsere Interessen werden von einem Anwalt des Bühnenvereins vertreten. Ansonsten wurde der Vertrag zwischen dem Arbeitskreis für Musik und der Stadt Bad Hersfeld geschlossen.

Das Verhältnis zwischen Ihnen und dem Arbeitskreis scheint einigermaßen zerrüttet. Ist das noch zu retten?

Freytag: Ich bin nicht hierher gekommen, um mit jemand Streit zu haben. Aber wir müssen endlich über die Grundkonstruktion zwischen Oper und Festspielen reden. Die bestehenden Verträge verhindern die Weiterentwicklung unserer künstlerischen Arbeit. Weltweit gibt es im Theater- und Musikleben immer mehr Grenzüberschreitungen. Das ist hier nicht möglich, wenn man sagt: Der macht Theater, der Konzerte. Diese Trennung ist nicht mehr zeitgemäß. Ich möchte die Festspiele weiterentwickeln, aber dafür müssen solche Grenzüberschreitungen möglich sein.

Wenn diese Grenzüberschreitungen aber nicht möglich sind, stellt sich dann für Sie hier irgendwann die Gretchenfrage?

Freytag: Irgendwann ja!

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