250 Dinge (161): Das Metzenkreuz zwischen Meckbach und Kathus

Die wilde Jagd

Panzereiche und Mahnmal, Baumelbank und zweisprachige Warntafel, die früher an der Grenze des Panzerübungsgeländes stand, gehören heute zum Metzenkreuz. Foto: Otto

Ludwigsau. Unter den zahlreichen Geschichten, die Wilhelm Neuhaus in seinem Buch „Sagen und Schwänke“ zusammengestellt hat, ist „Die wilde Jagd am Metzenkreuz“ eine der kürzesten: „Zwischen Meckbach und Kathus liegt eine Berghöhe, die heißt das Metzenkreuz. Als ein Bauer einmal daher kam, brauste die wilde Jagd über ihn hinweg. Um ihn herum flogen glühende Funken, und auf der Erde liefen kleine, weiße Hündchen, die bellten „Kniff, knaff!“ Dann waren Jäger, Funken und Hündchen plötzlich verschwunden.“

Wandernde Seelen

Man könnte meinen, dass mit der „wilden Jagd“ die großen Jagdgesellschaften der Hessischen Landgrafen gemeint sein könnten, denn der Seulingswald war deren zweitgrößtes Jagdrevier. Bei der ominösen Jagdgesellschaft am Metzenkreuz soll es sich aber um wandernde Seelen handeln, die sich in „gewaltigen Scharen“ zusammenfinden, besonders in den zwölf heiligen Nächten von Weihnachten bis zum Dreikönigsabend.

Das Metzenkreuz zwischen Kathus, Meckbach und Friedlos wurde aber weniger durch diese Sage als vielmehr durch das Zusammentreffen ganz konkreter „gewaltiger Scharen“ bekannt, denn am „Tag des Baumes 1989“ wanderten zweitausend Schüler aus dem ganzen Kreisgebiet sternförmig zu dieser Wegekreuzung im westlichen Seulingswald. Sie brachten bemalte und beschriftete Steine mit, die sie als Schutzwall um die gerade gepflanzte „Panzereiche“ legten. Dadurch sollte der Wald symbolisch vor der Zerstörung durch die US-Army geschützt werden, die ihren 1 700 Hektar großen Truppenübungsplatz für ihre Panzer ausbauen wollte.

Treffpunkt der Bürger

Das Metzenkreuz wurde seit 1989 immer wieder zum Treffpunkt zahlreicher Bürger – auch zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag: Hier fanden zum Beispiel die Neujahrsempfänge der Bürgerinitiative „Rettet den Seulingswald“ statt. Hier steht auch die so genannte „Amibude“, in der die Army unter anderem ihre „Pappkameraden“ (Schießscheiben) aufbewahrte und die heute vom Forstamt Bad Hersfeld genutzt wird.

Am Metzenkreuz wurde bedenkenlos die Umwelt verseucht, denn beim Betanken der Militärfahrzeuge ging so viel Dieselöl daneben, dass eine Fläche von zweihundert Quadratmetern ausgebaggert und entsorgt werden musste.

Endlich fand am Metzenkreuz eine ganz besondere Feierstunde statt: Am 15. November 1995 wurde das 1 700 Hektar große Panzerübungsgelände an seinen Eigentümer, das Land Hessen, zurückgegeben. Alle Festredner dankten der Bürgerinitiative „Rettet den Seulingwald“ (unter der Leitung von Karlheinz Otto, Hermann Cornelius, Waltraud Harasty und Peter Claus) für ihre intensive und konsequente Arbeit, die verhindert hat, dass die amerikanischen Streitkräfte ihre Pläne verwirklichen konnten – mit der Konsequenz, dass die Bundeswehr nicht in den Seulingswald „nachgerückt“ ist.

Am 14. November 1998 versammelten sich nochmals zahlreiche BI-Mitglieder und Bürger am Metzenkreuz, um neben der „Panzereiche“ den Mahn- und Gedenkstein der Bürgerinitiative zu enthüllen. Und im Jahre 2010 kamen zahlreiche Schüler der nächsten Generation zur Einweihung der „Baumelbank“, die die Kathuser Wanderer unter der Leitung von Peter Bernst errichtet hatten.

Einfach zu erreichen

Das Metzenkreuz ist kein geheimnisvoller, versteckt liegender Ort tief im Seulingswald. Man kann es ganz einfach auf dem Kathuser Rundwanderweg K 1 ab Solztalhalle Kathus erreichen. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann über Friedlos zur Mülldeponie fahren und auf dem bequemen Höhenweg etwa fünfzehn Minuten nach Nordosten gehen.

Von Karlheinz Otto

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