Seit 20 Jahren Hilfe für von Wohnungsnot Betroffene - Tag der offenen Tür

Wieder ins Leben zurück

Treffpunkt für alte Bekannte und gerade Gestrandete: Michael*, Beisitzerin Anke Steinberg, Beisitzerin Astrid Höpner, 1. Vorsitzender Pfarrer Georg Perels, 2. Vorsitzender Reinhardt Schenk, Beisitzerin Anja Gundlach, Geschäftsführerin Heidemarie Pfaff, Sabine und Andrea (v.l.) tauschen beim Tag der offenen Tür der Wohnraumhilfe Bad Hersfeld im Aufenthaltsraum Erfahrungen aus. Fotos: Apel

BAD HERSFELD. Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens hatte der Förderverein zur Vermeidung und Beseitigung von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit „Wohnraumhilfe, dessen Mitglieder das schön gelegene Wohnhaus am Frauenberg ideell und vor allem menschlich tragen, zum Tag der offenen Tür eingeladen.

Einer, der sich über die vielen Besucher freute, war Michael*. Er ist 52 Jahre alt. Erst verlor er seine Arbeit, dann hatte er „Krach in der Familie“, und dann stand der kleine, schmale Mann auf der Straße. Irgendwie fand er nach Bad Hersfeld, wo er seit sieben Wochen ein kleines Zimmer im Dachgeschoss des in der Nähe des Freibades gelegenen Hauses bewohnt.

Wie alle anderen, die in den zurückliegenden Jahren hier untergekommen sind, ist er verpflichtet, nach einer eigenen Bleibe Ausschau zu halten. Dabei wird er von den beiden Sozialarbeiterinnen Heike Claus und Heidemarie Pfaff unterstützt. Sie sind die „guten Seelen“ des Hauses, tun alles, was in ihren Kräften steckt, aber wenn Wohnungsbaugesellschaften bei Mietschulden oder bei bestehendem Schufa-Eintrag „Nein!“ sagen, sind auch sie machtlos.

Andrea ist ebenfalls 52 Jahre alt. Ihr Ex hat sie geschlagen. Nach einem Aufenthalt in einer Klinik hat sie ihren jetzigen Lebensgefährten kennengelernt. Mit ihm war sie zwei Jahre lang in Deutschland unterwegs – meistens „auf der Straße“, wie sie freimütig erzählt. In Niedersachsen fanden sie 2009 eine Wohnung, aus der sie wegen zahlreicher Einbrüche aber wieder auszogen. Anfang Dezember landeten sie im Haus am Frauenberg. Von hier aus würden sie gerne eine eigene Wohnung beziehen und an einer Wiedereingliederungsmaßnahme teilnehmen: „Damit wir wieder ins Leben zurückfinden!“

Viele Jahre „auf Platte“

Das ist der 33 Jahre alten Sabine schon einigermaßen gut gelungen. Nach vielen Jahren „auf Platte“ und viel zu vielen Problemen mit Alkohol, Drogen und Schlägereien kam sie 2008 mit ihrem damaligen Freund in der Lullusstadt. Mit Unterstützung des Fördervereins konnten beide eine Wohnung beziehen, aus der er später aber wieder auszog. Jetzt wohnt die aus Franken stammende, lebensfrohe Frau wieder allein – in der Gewissheit, dass es am Frauenberg eine Anlaufstelle für Hilfe in allen Lebenslagen und einen Ort für ein Schwätzchen mit Gleichgesinnten gibt.

Viel Unterstützung

So wie beim Tag der offenen Tür, als im Aufenthaltsraum neben vielen anderen Gästen auch Anke Steinberg saß. „Vor zehn Jahren war ich mit den Landfrauen aus Niederjossa zum ersten Mal hier“, berichtet sie. „Als mir ein Bewohner sein Herz ausgeschüttet hat, ist mir klar geworden, wie wichtig die Arbeit des Fördervereins ist. Kurz darauf bin ich Mitglied geworden und seit Anfang des Jahres arbeite ich sogar im Vorstand mit.“

Was den Gründervater und langjährigen Vorsitzenden Reinhardt Schenk natürlich freut: „Ich bin froh, dass wir nach 20 Jahren Arbeit einen guten Stand haben und viel Unterstützung erfahren, sowohl von öffentlichen Kassen, als auch von der Sparkasse und von Privatleuten.“

*Name von der Redaktion geändert

Von Wilfried Apel

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