Montagsinterview mit Lolls-Fan Richard Krolzig vom Riesenrad Bellevue

„Wie ein Familienmitglied“

Das Bellevue ist der Arbeitsplatz von Richard Krolzig. Alle zwei Jahre kommt er mit dem Riesenrad in seine Heimatstadt Bad Hersfeld. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Richard Krolzig ist eines der Gesichter auf dem Lullusfest. Mit dem Riesenrad Bellevue kehrt er alle zwei Jahre in seine Heimatstadt Bad Hersfeld zurück. Wir sprachen mit dem Lolls-Fan über den besonderen Reiz des Volksfestes, das Leben aus dem Koffer und eine erste Bilanz des Lullusfestes 2014.

Wo kommen Sie gerade her und wo geht es als nächstes hin?

Richard Krolzig: Ich komme gerade aus Erfurt, wo wir mit einem anderen Riesenrad waren. Das Bellevue stand zuletzt auf der Schueberfouer in Luxemburg. Nach dem Lullusfest wird es auf der Allerheiligenkirmes in Soest wieder aufgebaut, wo ich dann ebenfalls dabei bin.

Sind Sie dieses ständige Umherreisen nicht auch mal leid?

Krolzig: Ja und nein. Das Koffer ein- und auspacken ist etwas, das man aus dem Effeff beherrscht, auch für einen längeren Zeitraum. Man ist ja manchmal zwei Monate lang unterwegs und darf auch nichts vergessen, gerade wenn man im Ausland ist. Es ist anstrengend, keine Frage. Aber wenn Sie tolle Destinationen haben, auf die Sie sich freuen, überwiegt einfach das Schöne.

Woher kommt Ihre besondere Verbundenheit mit Bad Hersfeld und dem Lullusfest?

Krolzig: Ich bin mit zwei Jahren hierhergekommen und in der Burggasse aufgewachsen. Am Lollsmontag 1974 ist meine Mutter mit mir und meiner Schwester hergezogen und der Möbelwagen steckte im Festzug fest. Meine Patentante ist dann direkt mit mir zu Lolls gegangen und da bin ich wahrscheinlich infiziert worden. Seitdem habe ich im Herbst, was alle Hersfelder haben: das Lollsfieber.

Mich hat schon als Kind interessiert, was beim Aufbau passiert und welche Attraktionen kommen. Da gab es kein Halten mehr. Bei Wind und Wetter habe ich mir die Füße auf dem Markt plattgestanden. Aus dieser Neugierde heraus haben sich über die Jahre hinweg viele Kontakte in die Branche ergeben.

Auch viele Schausteller scheinen eng mit Lolls sowie untereinander verbunden zu sein; abends geht es gemeinsam ans Feuer …

Krolzig: Für mich ist das Lullusfest natürlich ein Heimspiel. Das ist eine ganz besondere Kombination, wenn man mit so einem beliebten Geschäft in seine Heimatstadt kommen kann. Aber ich weiß auch von vielen Kollegen, dass sie sich auf Hersfeld freuen. Hersfeld ist nicht nur ein Garant für gute Umsätze. Alle Schausteller fühlen sich sehr willkommen. Man ist mitten in der Stadt und es ist weniger anonym als anderswo.

Aber auch das Miteinander unter den Schaustellern wird hier groß geschrieben. Man trifft sich abends noch am Fierche auf einen Absacker. Das muss sein, auch wenn wir zum Arbeiten hier sind.

Wie ist die Stimmung in diesem Jahr, wie laufen die Geschäfte?

Krolzig: Die Stimmung war und ist super, beim Publikum und den Betreibern. Es ist immer eine Frage des Wetters. Am Lolls-Montag hat es ein bisschen geregnet, am Donnerstag zwischendurch richtig geschüttet. Was allerdings alle merken, ist, dass diesmal keine Schulferien sind. Die stärksten Tage sind erfahrungsgemäß Samstag und Sonntag. Der Strich wird am Ende gemacht, aber ich bin sicher, Lolls 2014 ist wieder eine erfolgreiche Veranstaltung.

Warum ist das Lullusfest auch wirtschaftlich gesehen bei vielen Schaustellern so beliebt?

Krolzig: Das Lullusfest hat im Vergleich zu allen anderen Volksfesten einen entscheidenden Vorteil, und das ist die hohe Mobilisierung der Bevölkerung. Lolls ist für viele wie ein Familienmitglied, jeder will dabei sein und zu Lolls kommen alle nach Hause, die weggezogen sind. Es gibt viel Stammpublikum und die Leute kommen auch bei Wind und Wetter. Jeder Schausteller, der einen Platz bei Lolls bekommt, ist happy.

Das Riesenrad ist ja nur alle zwei Jahre hier, wäre es nicht schöner, jedes Jahr dabei zu sein?

Krolzig: Diese Frage wird uns ganz, ganz oft gestellt. Es ist ja so, dass wir uns das nicht aussuchen. Über die Zulassung entscheidet eine Kommission. Der Platz ist auch relativ klein, und wenn das große Riesenrad da ist, sind die weiteren Gestaltungsmöglichkeiten gering. Die Stadt versucht das Fest attraktiv zu halten. Andererseits wäre es für uns sicher auch wirtschaftlich nicht so interessant, jedes Jahr hier zu sein. So bleibt das Bellevue etwas besonderes, der Kaufreflex ist ein anderer. Wir leben ja größtenteils von immer denselben Menschen und haben keinen so großen Einzugsbereich wie etwa die Stuttgarter Wasn. Wir freuen uns, alle zwei Jahre dabei sein zu dürfen und hoffen, auch weiterhin kommen zu dürfen.

Von Nadine Maaz

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