Nur Wetter war noch kühl

63. Bad Hersfelder Festspiele 2013: Traditionelle Begrüßung des Ensembles

Das Stück, das jeder kennt, will Volker Lechtenbrink (Zweiter von links) für die Festspiele „ganz anders“ inszenieren als gewohnt: Seit einer Woche schon probt er mit Jonas Minthe (D’Artagnan, links) und den drei Musketieren Johnny Müller (Porthos), Julian Weigend (Athos) sowie Parbeth Chugh (Aramis). Alle Fotos:  Nadine Maaz

Bad Hersfeld. Nur noch das Wetter war kühl, als Intendant Holk Freytag und Bürgermeister Thomas Fehling gestern in der Stiftsruine das Ensemble der 63. Bad Hersfelder Festspiele begrüßten.

Denn ihre zwischenzeitlich aufgetretenen atmosphärischen Störungen (unsere Zeitung berichtete) hatten die beiden am Wochenende in einem „sehr guten Vier-Augen-Gespräch“ insoweit beseitigt, dass „wir die Weichen ganz gut gestellt haben“ (Freytag).

Auch dem Bürgermeister war in seiner kurzen Ansprache keine Verstimmung mehr anzumerken, als er das „künstlerische Volk“ in der „heiligen kulturellen Halle“ der Stadt willkommen hieß. Fehling stand zudem noch ganz unter dem Eindruck des Konzerts mit Roger Hodgson, der am Vorabend im Rahmenprogramm der Festspiele die Stiftsruine gerockt hatte wie noch keiner vor ihm (siehe auch Seite 9). Wegen der hohen Eintrittspreise sei diese Veranstaltung zwar ein Risiko gewesen, sagte Fehling, „aber wir haben es gewagt“.

Als Wagnis beschrieb auch Holk Freytag das alljährliche Unternehmen Festspiele: „Theater wird mit Menschen gemacht, und nicht jeder ist austauschbar,“ sagte er und leitete damit zur bewusst ausführlichen Vorstellung jedes einzelnen Mitarbeiters über. Wie in den Vorjahren benannte er sämtliche Mitwirkende vor und hinter der Bühne sowie in der Verwaltung mit Namen, Rollen oder Funktionen.

Anschließend skizzierten die Regisseure der Neuproduktionen ihre Vorhaben. So verkündete Janusz Kica mit einem Augenzwinkern, dass Gerold Theobalt die als Familienstück angelegte Musical-Fassung von „Der Sturm“ zwar „komplett umgeschrieben“ habe, aber klug genug gewesen sei, „einige O-Töne von Shakespeare drinzulassen“.

Melissa King, die das Musical „Show Boat“ inszenieren wird, sprach einerseits von einer „schönen Geschichte“, die andererseits jedoch ein „sozialer Kommentar zu einer schrecklichen Zeit Amerikas“ sei.

Und Volker Lechtenbrink nahm für „Die drei Musketiere“ in Anspruch, „das schwerste Stück zu machen, weil es federleicht daherkommen muss, damit es nicht wie ein Betonklotz in die Ruine fällt.“

Holk Freytag schließlich verwies auf die Allgemeingültigkeit von „Nathan, der Weise“ und sagte: „Das Stück wird durch die Tagesaktualität permanent fortgeschrieben.“

Bevor sich das Ensemble dann wieder in die Proben verabschiedete, nutzten die Medienvertreter die Gelegenheit zu Interviews mit Festspiel-Stars wie Michael Schanze, Jan Ammann und Volker Lechtenbrink.

Von Karl Schönholtz

Probenbeginn 63. Bad Hersfelder Festspiele

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