Überbetriebliche Ausbildungsstätte im Bad Hersfelder Schilde-Park ist vorerst gesichert

Werkstatt feilt an sich

Erfahrung macht den Meister: Von links die beiden Ausbildungsleiter Gerhardt Willhardt (50) und Walter Woinzeck (61) mit ihren Azubis Richard Kamolz, (verdeckt) Nils Reschke und Marcel Schmied, die alle drei im ersten Lehrjahr bei der Firma TLT Turbo sind. Foto: Streck

Bad Hersfeld. Die historischen Schildehallen im Herzen von Bad Hersfeld bleiben auch weiterhin eine Keimzelle der industriellen Ausbildung. Die Ausbildungswerkstatt ProWaldhessen wird dort auch in Zukunft jungen Berufsanfängern den nötigen Schliff für ihren Job geben. Das ist das Ergebnis einer Gesprächsrunde, an der gut 30 Vertreter von Betrieben, Kammern, Berufsschulen und der Politik sowie die Träger der Werkstatt teilgenommen haben.

Grund für das Treffen war ein Wechsel der Gesellschafter, die die ProWaldhessen tragen. Neben der Baufirma Kirchner wird auch die kreiseigene Via (Verein zur Integration von Arbeitskräfte) zum 31. März zurücktreten.

„Die Bilanz unseres Treffens ist sehr positiv, jetzt ist wieder Hoffnung drin“, sagte der Hersfelder Unternehmer Heinrich Leist, der auch Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses ist und im Vorfeld des Treffens vehement um den Fortbestand der Werkstatt als „lebensnotwendige“ Einrichtung für die heimischen Betriebe gekämpft hatte (wir berichteten).

Breiter „Ideenkonsens“

Es habe bei dem Treffen einen „Ideenkonsens“ gegeben, wonach das monatliche Lehrgeld von jetzt 500 auf 650 Euro erhöht werden soll. Außerdem soll die Verweildauer der jeweiligen Azubis in der Ausbildungswerkstatt, die jetzt zwischen mehreren Wochen und bis zu einem Jahr schwankt, verlängert werden, um damit das entstandenen finanzielle Defizit aufzufangen. „Außerdem wollen wir gemeinsam mit der IHK neue Ausbildungsmodule entwickeln, um die Werkstatt für noch mehr Betriebe attraktiv zu machen“, erklärt ProWaldhessen-Geschäftsführer Gerhard Freitag.

Generell müsse versucht werden, die Ausbildungsaktivitäten im Kreis zu bündeln, fordert Heinrich Leist. Handwerk, Industrie, Berufsschulen und auch die Technische Fachhochschule mit ihrer Außenstelle in Bad Hersfeld sollen besser zusammenarbeiten.

„Die vielen Förderprogramme müssen gebündelt werden“, sagt Leist, „jeder kränkelt vor sich in und wir alle verzetteln uns“, kritisiert der Unternehmer. Er vermisse auch in der Kreispolitik politische Visionen. „Fulda ist da schon viel weiter“, meint Leist.

Sozialdezernentin Elke Künholz (SPD), die den Landkreis bei der Konferenz vertreten hatte, verteidigt die Haltung der Kreispolitik. „Wir haben keine finanziellen Mittel, um die Betriebe bei der gewerblichen Ausbildung zu unterstützen“. Die bisherigen Förderprogramme für Jugendliche mit Vermittlungshemmnissen, seien ausgelaufen. Deshalb müsse sich die VIA zurückziehen.

Dennoch habe der Kreis großes Interesse an der Ausbildungswerkstatt ProWaldhessen. „Wir schätzen die Arbeit hoch ein, und wir kennen auch die Not der Betriebe“, versichert Künholz. Deshalb werde der Kreis aller Wahrscheinlichkeit nach über die Wirtschaftsfördergesellschaft mit 5000 Euro an der ProWaldhessen beteiligt bleiben.

Von Kai A. Struthoff

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