Wochenendporträt: Claus Schytrumpf lebt seit 25 Jahren am Klondike in Kanada

Wenn die Wildnis ruft

Im Licht der ersten Frühlingssonne: Claus Schytrumpf aus Niederaula lebt seit über 25 Jahren in Dawson City im Yukon Territory in Kanada. Das Bild zeigt ihn mit seinem Schneemobil an der Strecke für das Yukon-Quest-Hunderennen. Foto: privat

Bad Hersfeld/Dawson City. Den Ruf der Wildnis hat Claus Schytrumpf schon früh vernommen. „Ich war schon immer ein Abenteurer“, erzählt der 55-Jährige, der in Niederaula aufgewachsen ist, und legt sein von Wind und Wetter gegerbtes Gesicht unter der verwaschenen Basecap in tausend Lachfalten. Nach vielen Reisen durch die ganze Welt hat er sein Paradies am Ende der Zivilisation gefunden.

Seit 25 Jahren lebt Claus Schytrumpf in der 1500-Seelen-Gemeinde Dawson-City am Klondike River in den wilden Weiten des Yukon-Territory in Kanada – jener Region, die Jack London mit seinen Goldgräber-Romanen zum Sehnsuchtsort ganzer Generationen gemacht hat.

Dabei hat Schytrumpf Jack London eigentlich erst am Klondike so richtig kennengelernt. Dort arbeitet er für die kanadische Nationalparkbehörde und hilft dabei, alte Gebäude aus der Zeit des „Goldrush“ zu erhalten. Darunter auch die Hütte, in der der amerikanische Autor 1897 einen langen Winter am Klondike verbracht hat.

Auch Schytrumpf selbst hat sich schon als Goldsucher betätigt. „Das ist ganz schon harte Arbeit, bei Frost Löcher in den Boden zu treiben“, erzählt er. Ein paar Nuggets hat er zwar gefunden, doch reich ist er nicht geworden. „Ich bin ein Selfmade-Man“, erzählt Schytrumpf von seinem Leben in den kanadischen Weiten.

Erst mal ein Feuer machen

Als gelernter Autoschlosser war es für ihn 1991 kein Problem, die Staatsbürgerschaft zu erhalten. Doch inzwischen schraubt er nicht nur an Autos herum, sondern baut auch Holzhäuser, arbeitet als Wildnis-Führer für Touristen, und er hilft, die Strecke für den Yukon-Quest, eines der härtesten Hundeschlittenrennen der Welt, vorzubereiten. „Ich sehe mich eigentlich nicht als Survival-Experten“, sagt Schytrumpf über sein Leben fernab der Zivilisation. „Wenn etwas schief läuft, dann machen wir erstmal ein Feuer“, sagt er schmunzelnd. Dabei wird es am Yukon im langen dunklen Winter bis zu 50 Grad kalt, und jeder Fehler in der Wildnis kann tödlich sein. „Neulich hat ein Wolf, die Hunde von einem Freud getötet, na ja und wir haben dann den Wolf erwischt“, erzählt er lapidar.

Claus Schytrumpf lebt mit seiner Partnerin in einem Holzhaus am Ufer der Klondike River. Sein Haus ist nicht ans Stromnetz der Stadt angeschlossen, ein Generator sorgt für den nötigen Saft. Sein Trinkwasser schafft er in Tanks auf dem Pickup-Truck heran. Sogar auf Internet verzichtet er freiwillig, „dabei könnte ich mir ja eine Schüssel aufs Dach stellen“.

Den Kontakt zu seiner Mutter in Bad Hersfeld hält er per Telefon. Nur alle zwei bis drei Jahre macht er sich auf den langen Weg zum nächsten Flughafen im sechs Stunden entfernten Whitehorse, um von dort nach Deutschland zu fliegen. Vor einigen Tagen war „Klondike-Claus“ mal wieder zum Heimatbesuch. „Aber das Gedränge der großen Städte brauche ich nicht“, erzählt er beim Redaktionsbesuch und rutscht ungeduldig auf dem Stuhl umher als vermisste er die Weite des Norden und die kalte, klare Luft. Die Wildnis ruft.

Selbst die von allen Nordhessen heißt geliebte Stracke fehlt ihm am Yukon nicht. „Wir machen unsere Wurst selbst – aus Elchfleisch.“

Von Kai A. Struthoff

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