Bei den Bad Hersfelder Opernfestspielen wird bis 18. August Beethovens „Fidelio“ gezeigt

Wenn die Menschlichkeit siegt

Dramatische Begegnung: Florestan (Anton Saris) liegt als Gefangener Florestan am Boden, Leonore, als Mann Fidelio verkleidet (Maria Gessler) sieht ihn, rechts steht Wärter Rocco (Markus Weishaar). Foto:  Landsiedel

Bad Hersfeld. Welch ein aktueller Stoff in Zeiten von Flüchtlingsströmen und Guantanamo. Florestan, politischer Gegner der Obrigkeit, wird ohne Prozess jahrelang in Kerkerhaft gehalten. Bis seine Frau Leonore, als Mann Fidelio verkleidet, zur Heldin wird und hilft, sowohl ihn zu retten als auch das Unrecht als solches aufzuklären.

Ludwig van Beethovens Oper „Fidelio“ ist voller Dramatik und Gefühl. Bei den Bad Hersfelder Opernfestspielen wurde die Premiere am Donnerstagabend freundlich beklatscht, viele Zuschauerplätze weiter hinten oder an den Tribünenrändern in der Stiftsruine sind aber frei geblieben.

Regisseur Hugo Wieg (mit Bernhard Wieg auch Bühnenbild) nutzt die große, fast requisitenlose Bühne geschickt, vor allem, wenn die ärmlichen Gefangenen aus der unteren Bühnenebene – dem Kerker – auftauchen, um einmal das Licht zu sehen. Oder wenn im zweiten Akt Florestan (Anton Saris) am Boden angekettet ist, ausgestreckt auf der rechten Bühnenseite liegt und sich kaum erheben kann, während neben ihm Gefängniswärter Rocco (Markus Weishaar) schon das Grab vorbereitet, in dem er endgültig verschwinden soll. Auch die Lichtregie von Petra Daube sorgt für schöne Effekte.

An vielen Stellen wirkte am Premierenabend das Orchester noch nicht optimal auf die Sänger abgestimmt. Wenn Dirigent Siegfried Heinrich den Klang voller, dunkler werden ließ, wie beim Schmieden des Mordplans oder im Vorspiel zu Florestans Arie, entwickelte sich aber eine Klangströmung, die mitreißen konnte.

Anton Saris als Florestan hatte mit seinem hohen, aber etwas engen Tenor einige Anlaufschwierigkeiten, zudem hätte man ihm für seine große Arie, wenn Florestan im Kerker verzweifelt, gewünscht, dass nicht gerade in diesem Moment Besucher polternd umhergingen – zur Textzeile „O grauenvolle Stille“.

Kathleen Ziegner und Maciej Kwásnikowski gefielen mit jungen Stimmen als Marzelline und Jaquino, Markus Weishaar war ein überzeugender Rocco, auch schon mit der heiteren Goldarie am Anfang. Riccardo di Francesco hat als Gefängnisgouverneur Don Pizzaro wenig Dämonisches, Martin Kronthaler war ein erhabener Minister Don Fernando im Wallemantel (Kostüme: Ute Krajewski).

Der Chor konnte weniger beim etwas kläglichen Auftritt der Gefangenen als vielmehr beim großen Schlussbild überzeugen – mit klarer Diktion und rundem Sound.

Im Zentrum des Abends stand Maria Gessler als Leonore/Fidelio mit viel darstellerischer Kraft und einem strahlenden Sopran. Sie machte ihre emotional gesungene Arie „Abscheulicher, wo eilest du hin“ und das große Liebesduett mit Florestan zu den Höhepunkten des Abends.

Bis zum 18. August an den geradzahligen Tagen. Kartentelefon: 06621/506713.

Von Bettina Fraschke

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