Klinikum und Herzstiftung informierten über Gefahren für Herz und Gehirn

Wenn der Infarkt droht

Dr. med. Reinhard Funck, Herzinfarktpatient Harald Gerlach, Jörg Viel von der Deutschen Herzstiftung, Ute Ullmann (Harald Gerlachs Lebensgefährtin) und Professor Dr. med. Markus Horn waren erfreut über das erfolgreiche Seminar „Herz und Hirn in Gefahr“ (von links). Foto: Goßmann

BAD HERSFELD. Wie erkenne ich die Alarmzeichen eines drohenden Herzinfarkts oder Schlaganfalls? Welche Gefahren gibt es und wie kann ich diese verringern? Und wenn es zu einem solchen Notfall kommt, was ist zu tun? Fragen dieser Art waren das Thema des Seminars „Herz und Hirn in Gefahr“, zu dem das Klinikum Bad Hersfeld anlässlich der Herzwochen 2012 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung ins Hotel am Kurpark eingeladen hatte. Zahlreiche Gäste lauschten den informativen und spannenden Vorträgen von Referenten wie Dr. med. Reinhard C. Funck, Professor Dr. med. Markus Horn oder Dr. med. Frank Klein.

Direkt den Notarzt rufen

„Jährlich sterben in Hessen 3 500 Menschen an einem Herzinfarkt“, berichtete Dr. med. Bardo Kürten, amtlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Brennende Schmerzen und Engegefühle in der Brust, Schmerzen im linken Arm, im Unterkieferbereich, im Hals oder zum Beispiel auch Schluckbeschwerden – all dies seien klassische Anzeichen eines sich anbahnenden Herzinfarktes. Wenn sich derartige Symptome zeigten, gelte es, sofort die Notrufnummer 112 zu wählen. „Viele Menschen neigen dazu, den Notruf aufzuschieben und vorher noch einmal beim Hausarzt nachzufragen. Aber das ist genau der falsche Weg, denn so geht kostbare Zeit verloren“, wusste Kürten aus Erfahrung.

Ein Herzinfarkt entsteht durch die Verkalkung der Adern und ist ein schleichender Prozess. Aber es gibt feste Faktoren, denen jeder entgegenwirken kann. „Unsere Gene, unser Geschlecht, daran können wir nichts ändern“, erklärte Dr. Klein. Daneben gebe es aber jede Menge anderer Chancen, einem Herzinfarkt auszuweichen. „Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Blutfettwerte, Stress, Diabetes und ganz besonders das Rauchen – all das sind Risiken, die wir vermindern können“, appellierte der Schenklengsfelder Arzt.

Als besonderen Gast hatten die Veranstalter den 57-jährigen Harald Gerlach eingeladen, der im Sommer einen Herzinfarkt erlitten hatte und ausführlich davon berichtete. Ebenso standen ein Interview mit einem Laienreanimationshelfer, der betroffenen Patientin und dem Rettungsteam auf dem Programm.

Nicht weniger gefürchtet als der Herzinfarkt ist der Schlaganfall, sozusagen der „Hirninfarkt“. „Bei diesem kommt es in den meisten Fällen entweder zu einem Gefäßverschluss im Gehirn durch ein Blutgerinnsel oder zu einer Hirnblutung, ausgelöst durch das Zerreißen einer Ader“, schilderte Professor Dr. Markus Horn. Deutliche Warnsignale hierfür seien die Schwäche einer Körperseite, Sprachstörungen und Funktionsausfälle. „Fast jeder Dritte bleibt lebenslang durch einen Schlaganfall behindert“, warnte der Mediziner. Übrigens ist diese Krankheit durchaus auch bei Heranwachsenden anzutreffen. „Der jüngste Schlaganfallpatient, den ich kennen gelernt habe, war gerade mal 16 Jahre alt“, erinnerte sich Dr. Funck.

Weitere Vorträge über moderne Behandlungsmethoden und Diskussionen zwischen dem Publikum und den Referenten sowie ein reichhaltiges Angebot an schmackhaftem Essen und Trinken rundeten die Veranstaltung ab.

Von Torsten Goßmann

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