Kreis bei Leistungskürzungen klar unter dem Bundesdurchschnitt

Weniger Sanktionen für Hartz-IV-Empfänger

Hersfeld-Rotenburg. Die Arbeitsvermittler der Optionskommune haben im vergangenen Jahr deutlich weniger Sanktionen gegen arbeitsunwillige Leistungsempfänger ausgesprochen als die Agentur für Arbeit in ihren Jobcentern. Bundesweit mussten 3,4 Prozent der 4,4 Millionen Hartz-IV-Empfängern Finanzkürzungen hinnehmen – so viele, wie nie zuvor. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg indes lag die Sanktionsquote bei nur 1,7 Prozent.

Auch hier ist ein leichter Anstieg um 0,3 Prozent gegenüber 2010 zu verzeichnen, der allerdings auch mit der insgesamt gesunkenen Zahl der Hartz-IV-Empfänger zu tun habe, erklärt der kommissarische Fachbereichsleiter für Arbeit im Landratsamt, Rene Bieber. Insgesamt wurden 2011 im Kreis 950 Sanktionen ausgesprochen – meist weil die Aufnahme von Arbeit, Ausbildung oder Qualifikationskursen verweigert wurde. „Sanktionen sind immer ein schlechtes Mittel“, meint Bieber. Die Optionskommune setze stattdessen auf Motivation.

So habe sich beispielsweise die bundesweit einmalige Werkakademie bewährt, in der Arbeitslose zeitnah ihren Stärken und Schwächen gemäß weiter qualifiziert werden.

Die Werkakademie soll nun wahrscheinlich auch in anderen Optionskommunen eingeführt werden, berichtet Sozialdezernentin Elke Künholz (SPD). „Wir sind als Optionskommune einfach sehr viel näher dran an den Menschen und den Arbeitgebern.“ Auch Künholz hält nicht viel von Sanktionen, zumal die gekürzten ohnehin knappen Leistungen dann kaum zum Leben reichten. Dies treibe Menschen in ein alimentiertes Leben von Grundsicherung, anstatt sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Bei dem Erfolg spielt aber auch das gute Arbeitsangebot im Kreis eine Rolle – vor allem die große Zahl an niedrig-qualifizierten Arbeitsplätzen im Bereich der Logistik. Jede vierte Vermittlung sei in diesem Bereich erfolgt. 355 Menschen wurden in Logistik, 243 in Handel und Handwerk vermittelt. Zum Tage, Seite 2

Von Kai A. Struthoff

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