Nur wenige Praxen in Hersfeld-Rotenburg sind rollstuhlgerecht

Hersfeld-Rotenburg. Nur jede dritte Arztpraxis im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist rollstuhlgerecht. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Gesundheit, die alle Arztpraxen im Bundesgebiet von Allgemeinmedizinern bis hin zu Zahnärzten analysiert hat.

Eine spezifische Norm oder ein Gesetz für Barrierefreiheit in der medizinischen Versorgung gibt es nicht. Die Stiftung Gesundheit hat deshalb aus verschiedenen Normen und Vorgaben Kriterien zusammengestellt. Barrierefreie Praxen müssen dabei strengere Anforderungen erfüllen, als rollstuhlgerechte Behandlungsräume (siehe Hintergrund). Von den insgesamt 231 Arztpraxen im Landkreis sind demnach nur 86 rollstuhlgerecht. Den strengeren Anforderungen zur Barrierefreiheit entsprechen im ganzen Kreisgebiet nur drei Arztpraxen: Jeweils eine in Bad Hersfeld, Rotenburg und Heringen.

Von den 124 Arztpraxen in Bad Hersfeld sind 40 rollstuhlgerecht, in Rotenburg 21 von 41 und in Bebra sechs von 18.

Viele Praxen stammen noch aus Zeiten, in denen Barrierefreiheit noch nicht im Fokus stand, sagt der Sprecher der Hausärzte im Landkreis, Dr. Martin Ebel aus Bad Hersfeld. Wer keinen Nachfolger habe, scheue die Umbaukosten. Bei Hausärzten bestehe zudem die Möglichkeit eines Hausbesuchs, gibt Ebel zu bedenken. Dennoch: Wer das Thema ignoriere, tue sich selbst keinen Gefallen, sagt Ebel.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Bad Hersfelder Behindertenbeirats, Karl-Heinz Rohloff, ist die Situation sogar noch schlechter, als die Zahlen vermuten lassen. So seien ihm in Bad Hersfeld nur zwei wirklich für Rollstuhlfahrer geeignete Praxen bekannt.

Die mangelnde Barrierefreiheit sieht auch Werner Könnecke, Behindertenbeauftragter der Stadt Bebra, als Problem. Besonders ärgerlich sei es, wenn bei Neueinrichtungen nicht darauf geachtet werde.

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Von Jan-Christoph Eisenberg

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