Weißkittel-Satire „Doppelzimmer“ begeisterte Publikum in der vollen Stadthalle

Ein wenig krank im Kopf

Das Krankenzimmer der Zukunft? Schwester Isabella (Juliane Trimper) verdeckt blitzschnell den nackten Hintern von „Don Ernesto“ (Christoph M. Ohrt). Im Bett liegt laut schnarchend Herr Otto (Vladimir Weigl). lFoto: Schmidl

Bad Hersfeld. Der Name Lauterbach zieht: Das beweisen die weiblichen Fans, die rechtzeitig Karten für die restlos ausverkaufte Abo-Veranstaltung in der Stadthalle ergattert hatten. Auf dem Programm stand die Krankenhaus-Satire und romantische Liebeskomödie „Doppelzimmer“ von Stella Muller, eine Produktion der Komödie im Bayerischen Hof München unter der Regie von Pascal Breuer. Heiner Lauterbach spielt in dieser „Screwball-Komödie“ voller Wortwitz, Slapstick und Skurrilität die Hauptrolle als Prof. Meinunger, der den Kampf um das Erbe der Schneyderschen Privatklinik gewinnen will und dabei von der attraktiven Chefärztin Dr. Huhn (Dana Golombek) unterstützt wird. Der Professor erinnert sich nicht an die Affäre mit „Hühnchen“ und hat keine Ahnung, dass Ben (Philipp Danne), der als „Wehrersatzdienstverweigerer“ im Klinikalltag mit flotten Sprüchen glänzt, sein Sohn ist. Mit Juliane Trimper ist die Rolle der kessen Krankenschwester Isabella, die eigentlich Schauspielerin ist und auch gar kein Blut sehen kann, bestens besetzt. Ihre Leidenschaft zum Film teilt sie mit dem Patienten und vermeintlichen Undercover Agenten Herrn Otto (Vladimir Weigl), der wegen seiner harmlosen Kopfschmerzen ungewollt in einem zum exotischen Doppelzimmer umdekorierten Zweibettzimmer einquartiert wird.

Seltsam, seltsam

Seite an Seite mit einem seltsamen Zimmergenossen, der sich als Haustechniker Herr Ernst in die Klinik eingeschlichen hat, den der Professor aber zum Geistlichen „Don Ernesto“ und Informanten umfunktioniert und der sich als der gefürchtete Otto Schneyder jun. (Christoph M. Ohrt) entpuppt.

Für den aus Chile angereisten Juniorboss wurde der ganze Aufwand betrieben. Ein ausgestopfter Esel im Krankenzimmer? Warum nicht. Die Erlebnistherapie, wie sie in diesem Stück praktiziert wird, ist gar keine schlechte Idee. Weg mit den weißen Kitteln und den langweiligen Zimmern. Überhaupt will Prof. Meinunger die Medizin vom Kopf auf die Füße stellen. Es geht ihm um den Menschen und nicht um die Krankheit. „Es gibt keine auch noch so harmlose Krankheit, die nicht bei Hinzuziehung eines Arztes lebensgefährlich werden könnte“, ist seine Überzeugung. Zwei Stunden pures Vergnügen, ein hochkarätiges, spielfreudiges Ensemble, einen überzeugender Lauterbach, der die Satire grinsend, aber gleichwohl bissig transportiert, gab es rezeptfrei.

Auch die Kassenpatienten im Saal konnten sich ohne Zuzahlung an dem großen komödiantischen Talent von Christoph M. Ohrt erfreuen . Erstaunlich, wie sein (fast) nackter Hintern erheitern konnte. Zum guten Schluss gab es ein privates und berufliches Happy End, donnernden Schlussapplaus und Bravo-Rufe – vor allem für die Männer.

Von Gudrun Schmidl

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