In der Bad Hersfelder Festspielkulisse loderten für „Der Name der Rose“ die Flammen

Welt versinkt in der Ruine

Bad Hersfeld. Durch die Bad Hersfelder Stiftsruine weht ein leichter Wind. Auf dem Kiesboden liegen viele rote Schläuche, die an große Gasflaschen angeschlossen sind. „Mit klopfendem Herzen stehen wir hier und sind gespannt, was passiert“, sagt Holk Freytag, der Intendant der Bad Hersfelder Festspiele.

Plötzlich rauscht es, und in kürzester Zeit stehen die Mauern der Bad Hersfelder Stiftsruine lichterloh in Flammen. Eineinhalb Meter hohe Feuerfontänen und ein riesiger, aufsteigender Feuerball beeindrucken die neugierigen Zuschauer. Bei einer Probe für das Stück „Der Name der Rose“ von Umberto Eco setzt Christoph Müller, Geschäftsführer der Firma TBF Pyrotec in Hamburg, die Festspielkulisse in Brand.

Holk Freytag will mit einem großen Finalfeuer am Ende des Stücks, mit dem der Brand einer Bibliothek simuliert wird, in der Ruine eine Welt versinken lassen. Dabei solle nicht einfach nur die Basilika abbrennen – er will dem Publikum die mittelalterliche Ideologie der Reinigung des Ketzers durch das Feuer und somit die Dimension der Zerstörung symbolisieren.

Stück gehört in die Ruine

Es ist ein aufwendig inszeniertes Stück. „Das muss so sein, denn „Der Name der Rose“ ist wie für die Ruine geschrieben, das Stück gehört einfach in eine solche Kulisse“, erzählt Freytag. Jetzt heißt es ausprobieren: „Es gibt viele Möglichkeiten, theoretisch können wir die ganze Ruine brennen lassen, das ist alles eine Frage des Aufwands“, erklärt Christoph Müller.

Mit Flammengeräten aus der Showtechnik erzielt er bei der ersten Probe zunächst Momentaufnahmen. Die Geräte müssen nun für das Theaterstück modifiziert werden. „Wir müssen in erster Linie gucken, wie wir die Geräte anordnen, um die besten Effekte zu erzielen“, sagt Müller, der mit seiner Firma bereits weltweit Feuer inszeniert hat. Die beeindruckende Festspielkulisse ist für ihn eine neue Herausforderung, auf die er sich besonders freut. Bühnenbildnerin Diana Pähler und Lichtgestalter Henrik Forberg sind optimistisch und könnten sich für „Den Namen der Rose“ keine bessere Kulisse vorstellen.

Stiftsruine in Flammen

Kulturdenkmal ist heilig

Eine Schwierigkeit, die es zu bewältigen gilt, wird allerdings die große Wärmeentwicklung durch die lodernden Flammen sein. „Für die Zuschauer wird es schön warm“, sagt Müller und lacht. Inwiefern die Gemäuer des Kulturdenkmals in Mitleidenschaft gezogen werden, werde noch mit dem Bauamt abgeklärt. „Natürlich ist uns die Stiftsruine heilig“, versichert Intendant Holk Freytag und selbstverständlich werde man pfleglich mit ihr umgehen, damit auch die Mitarbeiter der Schlösser- und Gartenverwaltung nichts zu beanstanden haben, wenn sie nach der Festspielsaison im September die Ruine wieder in ihre Obhut nehmen.

Über die Finanzierung wollte der Festspielintendant noch keine Auskunft geben, aber er ist sich sicher: „Die Premiere ist am 25. Juni, und die Ruine wird am Ende des Stücks brennen.“

Von Nina Skrzyszowski

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