Prognose für 2025: Bevölkerung schwindet um fast acht Prozent und altert um sechs Jahre

Weiter auf Schrumpfkurs

Hersfeld-Rotenburg. In wenigen Jahren, so sagen Statistiker, wandelt sich Waldhessen zur Großbaustelle. Vom Kindergarten bis zur Altenpflege – in jedem Bereich des Lebens müssen neue Grundsteine gelegt werden. Denn schon in den nächsten fünfzehn Jahren verliert der Landkreis sieben Prozent seiner Einwohner. Der durchschnittliche Waldhesse altert bis 2025 um etwa sechs Jahre. Dies rechnet die Bertelsmannstiftung vor.

Von vier Menschen, die 2025 durch Bad Hersfeld schlendern, werden zwei älter als 50 Jahre und einer jünger als 20 Jahre sein. Dabei sind nicht alle Kreiskommunen gleichermaßen betroffen. Gemeinden wie Nentershausen oder Breitenbach am Herzberg verloren in fünf Jahren, zwischen 2003 und 2008, mehr als sieben Prozent ihrer Einwohner. Nachbarn wie Niederaula, Friedewald und Neuenstein hingegen schrumpften moderat: Ihre Rathäuser verzeichneten Verluste unter einem Prozent.

Anja Csenar, Beauftragte für Zukunftsfragen, ist sicher: In den Vorhersagen von heute spiegeln sich die Probleme von morgen. „Die akutellen Zahlen sprechen dafür“, erklärt sie. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres verlor der Landkreis 361 Bewohner - einen Großteil davon an den Tod: 401 Geburten standen 721 Todesfälle gegenüber. Der Faktor Abwanderung sei mit einem Anteil von etwa 14 Prozent am Schwund zwar gering, aber nicht zu unterschätzen: „Vorwiegend jüngere, hochqualifizierte Menschen ziehen fort“, liest Csenar aus den Statistiken.

„Am Ursprung des Problems können wir nicht rütteln“, sagt sie. Vielmehr müssten die Folgeerscheinungen angesteuert werden, um den „Zurückbleibenden“ ein möglichst lebenswertes Umfeld zu schaffen: Leerstand, Fachkräftemangel, steigende Pro-Kopf-Kosten für Infrastruktur - aus diesen Folgen des Verlusts lasse sich Gewinn schlagen: „Chancen begleiten jeden gesellschaftlichen Umbruch“, sagt Csenar, die im Wandel eine Herausforderung sieht. Das Waldhessen der Zukunft, sagt sie, könne sozialer und ökologischer werden. LokalSeite 2

Von Pia Schleichert

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