250 Dinge, die wir an der Region mögen, Teil 8: Das Tempelchen

Weiter Blick ins Werratal

Kurz nach der Eröffnung: Ausflügler am 1911 erbauten Tempelchen. Foto: Archiv/nh

Philippsthal. Urlaub hieß vor 100 Jahren noch Sommerfrische, der Ausblick vom Hang des Jakobsbergs war damals schon eindrucksvoll: Von dort aus eröffnet sich dem Wanderer ein Panoramablick über Philippsthal und die Nachbarorte im Werra- und Ulstertal, das Kaliwerk Hattorf und auf die Berge der Rhön.

Wohlhabende Dame

Wegen der schönen Landschaft und des milden Klimas reiste in der Zeit nach 1900 mehrfach eine wohlhabende Dame aus Frankfurt, sie hieß Frau Geilfuß, zur Erholung nach Philippsthal. Aus Verbundenheit zur Werragemeinde stiftete sie im Jahr 1911 einen Ausflugspavillon. Auf der Bergnase des Jakobsbergs, im Volksmund Eiringshöh genannt, ließ der Verkehrs- und Verschönerungsverein von den Brüdern Voss aus Vacha und dem Philippsthaler Zimmererpolier August Mosebach aus Philippsthal das Fachwerkgebäude errichten. Den Innenausbau übernahm der örtliche Schreinermeister Eiring, der auch das Grundstück zur Verfügung gestellt hatte.

Wegen der sechseckigen Grundform, des geschwungenen Spitzdaches und der drei Spitzbogenfenster wird das Häuschen von den Einheimischen liebevoll Tempelchen genannt. In den Anfangsjahren, das zeigen Fotos, hatte das heute offene Bauwerk sogar eine verglaste Tür.

Seit 102 Jahren thront das Tempelchen jetzt schon am Hang über Philippsthal – und ist neben Schloss und Förderturm längst zu einem Wahrzeichen der Werragemeinde geworden. Wanderer haben im Tempelchen Rast gemacht. Verliebte haben sich dort getroffen und leider wurde das Häuschen auch mehrfach Opfer von Vandalismus. Im September 2011 gab es eine Feier zum hundertsten Geburtstag des Tempelchens.

Über all die Jahre waren es Mitglieder des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, die Schäden ausbesserten, strichen und renovierten und so die Gemeinde beim Erhalt unterstützen.

Ein Besuch am Tempelchen lohnt sich zu jeder Jahreszeit, denn vom Jakobsberg gibt es immer etwas zu sehen. Das Tempelchen ist als Ausflugsziel gut zu erreichen. Die Straße, von der es über einen kurzen, aber steilen Wiesenweg zu Fuß erreichbar ist, verrät gleichzeitig, was den Besucher oben erwartet: „Schöne Aussicht“ lautet ihr Name.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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