Festspielkonzerte: Telemann, Mozart und Haydn im Familienkonzert unter Heinrich

Weisheit plus Vergnügen

Der Bassist Florian Dengler (rechts) brillierte nicht nur stimmlich, sondern persiflierte zugleich amüsant den pedantischen Schulmeister in der Hersfelder Stiftsruine. Das junge Orchester Sinfonia Silesia Kattowitz begleitete schwungvoll unter der Leitung von Prof. Siegfried Heinrich den Kinderchor des Bach-Hauses. Foto: Renata von Trott

Bad Hersfeld. Die Bad Hersfelder Festspielkonzerte, im 55. Jahr veranstaltet vom Arbeitskreis für Musik, sind am Samstag mit einem Familienkonzert eröffnet worden.

„...sondern auch der Weisheit Lehren mit Vergnügen hören“. Dass dies, frei nach Wilhelm Busch, mit Verstand geschah, war – nein, nicht Herr Lehrer Lämpel aus „Max und Moritz“ da, sondern der Dengler aus Georg Philipp Telemanns beliebter „Schulmeister“-Kantate. Eine Schulstunde also am Samstag in der Stiftsruine zur Eröffnung der 55. Bad Hersfelder Festspielkonzerte.

Der Weisheit Lehren mit Vergnügen zu hören, traten etwa 20 „Schulkinder“ an, darunter einige der älteren Jahrgangsstufe. Einprägsam, doch nicht übertrieben der mit langem Zeigestock umherschreitende Schulmeister im Frack. Ebenso die Klasse im Musikunterricht, in dem einer der Amtsperson auch schon mal die Zunge herausstreckte. Doch gesungen haben sie alle anständig und einträchtig, und wer im Kinderchor des Bach-Hauses (Leitung Roswitha Royen) noch mitmachen möchte, darf sich gern beim Arbeitskreis für Musik melden (Tel. 06621/506713 oder 506718).

Schlankstimmiger Bass

Florian Dengler (Bass) war übrigens ein schlankstimmiger, musikalisch und pädagogisch korrekter Schulmeister. Die 450 großenteils jungen Besucher hatten an diesem Familienkonzert hör- und sichtbar Gefallen. Auch an den kompositorisch ausgefeilteren Stücken: an Mozarts viersätzigem Divertimento F-Dur KV 522, bekannt unter dem Titel „Ein musikalischer Spaß“, und an Haydns Sinfonie Nr. 45 fis-Moll, der „Abschieds-Sinfonie“. Beide Male waren vor allem die Streichinstrumente gefordert.

Die Musiker der Sinfonia Silesia Kattowitz brachten viel Einsatzfreude, Feinempfinden und Akkuratesse mit. Wo sie sich einmal eine Unsauberkeit leisteten, war sie (meistens) vom Komponisten gewollt – ein musikalischer Spaß eben. Mit Ernst und Umsicht aber war Prof. Siegfried Heinrich als Dirigent bei seiner Sache, nämlich, frei nach Telemann, die Musik zu lieben und zu ehren.

Von Siegfried Weyh

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