Montagsinterview mit dem Hotelier und Dehoga-Vorsitzenden Hanns-Karl Madelung über Politik und die vorläufige Ferienbilanz

Ich weine Waldhessen immer noch nach

Hanns-Karl Madelung vor seinem Landhotel Kirchheim. Foto: Kai A. Struthoff

Kirchheim. Die Nähe zu den Festspielen wird immer noch durch zahlreiche signierte Schauspieler-Fotos in der Eingangshalle dokumentiert. Doch räumlich hat sich Hanns-Karl Madelung von der Stiftsruine entfernt, seit er vor knapp einem Jahr das traditionsreiche Hotel Wenzel räumen musste, weil dort ein Ärztehaus entsteht. Jetzt ist Madelung Chef im Landhotel Kirchheim und sprach dort mit Kai A. Struthoff

Herr Madelung, wie ist es Ihnen seit Ihrem Umzug ergangen?

Hanns-Karl Madelung: Die Zeit nach Wenzel war stressig. Ich musste das Hotel komplett räumen, denn das Inventar gehört mir. Außerdem musste ich ins Klinikum und habe dort acht Stents bekommen. Aber am 1. Oktober haben wir hier aufgemacht, und ich bin eigentlich ganz zufrieden mit der Entwicklung. Ich wurde gut aufgenommen in Kirchheim.

Haben Ihnen Ihre Stammgäste die Treue gehalten?

Madelung: Viele Kunden sind uns treu geblieben, auch Restaurantgäste kommen weiter zum Essen zu uns. Auch viele Festspielgäste kommen wieder zu mir, und manche bleiben sogar länger, um sich die schöne Landschaft anzusehen.

Ihr Landhotel ist ja wie auch der Seepark ein Betrieb, der es nicht ganz leicht gehabt hat. Wie geht es wirtschaftlich?

Madelung: Das Haus war in der Insolvenz und wurde von demselben Verwalter betreut wie auch der Seepark. Die Sparkasse als Hauptgeldgeber wollte das Haus verkaufen. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass sich ein geschlossenes Hotel schlecht verkaufen lässt. Deshalb habe ich der Sparkasse angeboten, das Haus wieder anzuschieben und neu auf dem Markt zu positionieren. Mit der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg arbeiten wir sehr gut und vertrauensvoll zusammen. Im Moment geht es stetig aufwärts.

Sie sind von der Festspielstadt ins Rotkäppchenland gewechselt. Früher warben alle gemeinsam für Waldhessen, jetzt arbeiten viele nebeneinander. Wie sinnvoll ist das?

Madelung: Ich weine Waldhessen immer noch nach. Ich war vehement gegen die Auflösung dieser Kooperation. Der Name Waldhessen war vielen ein Begriff. Aber die Bürgermeister haben das damals anders entschieden, jetzt muss man sich mit dem Neuen arrangieren. Ich arbeite natürlich beim Rotkäppchenland mit, wir unterstützen alle touristischen Bestrebungen der Region und versuchen damit, uns auch selbst hier zu positionieren. Trotzdem glaube ich immer noch, dass sich die Region unter einem größeren, gemeinsamen Dach besser vermarkten ließe. Rotkäppchenland ist mir ein bisschen zu einseitig.

Sie sind auch Dehoga-Vorsitzender für Waldhessen. Wie lautet die vorläufige Ferienbilanz von Ihnen und Ihren Kollegen?

Madelung: Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden, vor allem die Hersfelder Kollegen, die von den Festspielen profitieren und ganz hervorragend gebucht sind. Die Umwegrentabilität funktioniert. Das in die Kultur investierte Geld kommt zu uns zurück.

Als Dehoga-Vorsitzender sind sie immer sehr kritisch mit der Politik umgegangen. Was halten Sie beispielsweise von der geplanten Hygiene-Ampel?

Madelung: Wir lehnen die Ampel strikt ab. Natürlich müssen die Hygienevorschriften streng eingehalten und auch kontrolliert werden. Aber wer einmal einen kleinen Fehler gemacht hat, muss dafür nicht gleich an den Pranger gestellt werden. Wichtiger wäre ein Eignungstest für Gastronomen, aber bei uns kann sich immer noch jeder als Gastwirt selbstständig machen ohne einen Sachkundenachweis.

Und das Rauchverbot?

Madelung: Das hat sich meiner Meinung nach bewährt. Nur für kleine Kneipen sollte es Ausnahmen geben. Den Geruch von altem Frittenfett finde ich aber immer noch unangenehmer als Rauch.

Was ist mit der umstrittenen Mehrwertsteuerbefreiung?

Madelung: Die war dringend nötig. Vor allem kleinere Betriebe haben jetzt endlich wieder die Möglichkeit zu investieren. Ohne diese Befreiung gäbe es sicher auch mein Landhotel nicht mehr. Alle Kollegen gehen sehr verantwortungsvoll mit ihren Gewinnen um und investieren ihr Geld in Verbesserungen ihrer Betriebe. Davon profitiert dann wiederum das heimische Handwerk. Es wäre gut, wenn auch für Speisen der niedrigere Steuersatz von sieben Prozent eingeführt würde.

Gibt es zu viele Eingriffe der Politik in Ihrem Berufszweig?

Madelung: Ich bin ganz zufrieden, obwohl sicher noch mehr liberalisiert und Bürokratie abgebaut werden könnte. Ich würde mich freuen, wenn die Politiker mehr auf die Argumente des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands eingehen würden.

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