Lesung im Grebe-Keller mit Heinrich Cuipers – mehr heiter als besinnlich

Weihnachtliches Durcheinander

Mit Leib und Seele dabei. Heinrich Cuipers begeisterte im Grebe-Keller mit Texten, über die er teilweise selbst lachen musste. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Längst ist der Grebe-Keller eine feste Größe in der Bad Hersfelder Kulturlandschaft. Bei der letzten Veranstaltung in diesem Jahr bot er den passenden Rahmen für eine vorweihnachtliche Lesung bei Kerzenschein und Glühwein.

Der bekannte und beliebte Festspieldarsteller Heinrich Cuipers hatte es sich zur Aufgabe gemacht, sein Publikum mit heiteren, skurrilen, mehr oder weniger besinnlichen Geschichten und Gedichten von Wolfgang von Goethe bis Loriot bestens zu unterhalten.

Nicht viel Raum

Viel Raum brauchte er dafür nicht. Ihm genügten ein Barhocker und ein Notenständer für seine lose Blattsammlung direkt vor der Theke. Genau gegenüber der Bühne, auf der viele weitere „Freunde des Kellergeflüsters“ an diesem Abend Platz nehmen konnten.

„Heinrich, spiel! Sonst gibt es keine Geschenke“. Heinrich geniert sich und fuchtelt unsicher mit der Blockflöte herum, bis er schließlich einige schiefe Töne zum Besten gibt. Ein Kindheitstrauma als gelungener Einstieg.

Schnee, Tannenbaum und verschlossene Türen vor der Bescherung, aber auch die Angst vor dem Nikolaus, bringt Heinrich Cuipers noch immer mit seiner Kindheit im Hochschwarzwald in Verbindung. Als erwachsener Mann feiert er schon seit Jahren Weihnachten allein. Aber wenn „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklingt, ist es auch bei ihm vorbei. Dann erfasst auch ihn der Weihnachtszauber, den er mit vorgetragenen „Bösartigkeiten“ zu vermeiden glaubt.

Gibt es überhaupt einen Weihnachtsmann und wie macht er das mit der Verteilung der Geschenke, wenn in 91,8 Millionen Haushalten mindestens ein braves Kind lebt? Weihnachten bringt sowieso alles durcheinander im sorgfältig arrangierten Leben, plötzlich soll man die ärmeren Leute bedauern, an fliegende Rentiere glauben und dann beginnt auch noch der Weihnachtsbaum zu sprechen.

Zusätzlich zu dem Rezept für „Ente à la orange“ servierte er noch viele weitere literarische Köstlichkeiten von Theodor Storm, Erich Kästner und Joachim Ringelnatz. Alles in allem eine wunderbare Einstimmung auf „Fröhliche Weihnachten!“

Von Gudrun Schmidl

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