Weihnachten im Krankenhaus: Besuch auf der Kinderstation

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So festlich wie möglich: Auf der Kinderstation B im Bad Hersfelder Klinikum schmückt Stationsschwester Sabine Malko (mit Baby Ben auf dem Arm) die Gänge weihnachtlich. Florian (vorn) darf seine Geschenke aber zum Glück zu Hause auspacken.

Bad Hersfeld. Marlon atmet endlich wieder ruhiger. Fast ohne Bronchienrasseln und entspannt an seinem Schnulli nuckelnd liegt der kleine Junge im Krankenhausbettchen. Nur der Verband um seinen Kopf deutet darauf hin, dass er noch nicht wieder ganz gesund ist.

Seine Fäuste stecken in winzigen Stoppersocken, damit er die wunde Haut auf seiner Stirn nicht weiter aufkratzt.

Der neun Monate alte Marlon aus Frielendorf ist eines der Kinder, die die letzten Tage vor Weihnachten im Klinikum Bad Hersfeld verbringen mussten. Während die meisten Eltern mit Geschenkeverstecken und letzten Einkäufen beschäftigt waren, saß Marlons Mutter Nicole über eine Woche lang am Bett ihres bronchitiskranken Sohnes.

Erstes Fest in der Klinik

„Es war schlimm, weil meine Tochter zu Hause wartet“, sagt sie, während sie Plätzchenrezepte studiert, die sie doch nicht mehr brauchen wird. „Aber wenn alles gut geht, dürfen wir noch vor Weihnachten nach Hause. Es wird Zeit.“

Heiligabend unter dem eigenen Weihnachtsbaum wird aber nicht allen Patienten der beiden Hersfelder Kinderstationen vergönnt sein. Mindestens zwölf Frühchen werden ihre ersten Feiertage in der Klinik erleben, vielleicht noch nicht bewusst, aber trotzdem weit weg von zuhause. Und auch wenn die größeren Kinder möglichst alle vorher entlassen werden – ein gebrochenes Bein am 23. Dezember oder eine akute Lungenentzündung kann eben niemand voraussehen.

„Wir haben Weihnachten immer Kinder hier“, erzählt Stationsschwester Sabine Malko, die selbst schon unzählige Feste im Dienst erlebt hat. „Manchmal ist das schon traurig, aber es geht nun mal nicht anders.“

Um dem Heimweh so gut wie möglich vorzubeugen, sind die Stationsflure mit Lebkuchenhäusern und Miniaturbäumchen geschmückt. Sogar ein inzwischen geplünderter Adventskalender hängt an der Wand. „Die Leute geben sich hier wirklich Mühe“, sagt der zwölfjährige Florian, der den Klinikalltag schon öfter erlebt hat. Doch so kurz vor Heiligabend, mit Märchenwinter vor dem Panoramafenster, hält auch ihn nichts mehr in seinem Bett. „Weihnachten zu Hause ist wichtig“, sagt er mit Nachdruck. Der gepackte Rucksack steht verheißungsvoll vor dem Bett.

Bescherung im Bett

Wenn morgen überall in der Region die Bescherungsglöckchen läuten, wird auch im Klinikum Bad Hersfeld eine besondere Stimmung einkehren. Eltern rücken mit Picknickkörben und Überraschungspaketen an, Geschenkpapierfetzen und Kekskrümel landen neben den Pillendöschen auf dem Nachttisch. „Das wichtigste ist, dass die Kinder nicht alleine sind“, erzählt Stationsschwester Heike Baumgardt. „Auch krank sein hat seine Zeit, auch wenn das nicht in unseren durchgeplanten Alltag passt.“

Weil die im Krankenhaus ein Ausnahme-Weihnachten erleben, entstehen zwischen Stillraum und Schwesternzimmer oft robuste Freundschaften. „Manche halten ein Leben lang“, sagt Heike Baumgardt. „Hier machen ja alle das gleiche durch.“

Der Krankenschwester aus Friedewald ist besonders ein Weihnachtsfest vor gut zehn Jahren in Erinnerung geblieben. Damals fand ein neugeborenes Baby mit Missbildung noch am Heiligabend eine Adoptivmutter. „Wir hatten den Kleinen alle ins Herz geschlossen“, erzählt sie. „Deshalb war das unser ganz persönliches Weihnachtswunder.“

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