Bad Hersfelder Festspiele: Thomas Borchert spielt im Musical „Kiss me, Kate“ die Hauptrolle des Fred Graham

Von wegen Midlife-Crisis – eine Chance!

Pausensnack mit Banane: Musical-Star Thomas Borchert, der bei den Bad Hersfelder Festspielen in „Kiss me, Kate“, die Doppelrolle des Fred Graham/Petruchio spielt, kommt derzeit nur selten dazu, richtig zu essen. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Er hat fast alle großen Rollen gespielt, die das moderne Musical für einen gestandenen Sänger und Schauspieler wie ihn hergibt. Doch „Kiss me, Kate“ hat Thomas Borchert bisher nur dem Namen nach und durch zwei, drei Songs mit der Musik von Cole Porter gekannt.

Dabei gibt die Doppelrolle des Fred Graham/Petruchio, die der 47-Jährige in Stefan Hubers Inszenierung für die Bad Hersfelder Festspiele übernommen hat, für einen Mann in der Mitte des Lebens Anlass zur Reflektion.

Wohin des Wegs? Das können sich nämlich sowohl die Musical-Figur wie ihr Darsteller fragen, wenn sich der 50. Geburtstag unaufhaltsam nähert. Borchert und Graham finden jedoch völlig gegensätzliche Antworten auf diese Frage.

Während Fred Graham der Jugend und der Vergangenheit nachweint und „Wo ist die liebestolle Zeit?“ singt, hat Thomas Borchert für sich den Begriff der Midlife-Crisis durch den der Midlife-Chance ersetzt. Das erklärt sich daraus, dass er in den vergangenen Jahren seinen Beruf stets obenan gestellt hat. Ein Engagement jagte das nächste, oft verbunden mit langen Abwesenheiten von Frau, Familie und seiner Wohnung in Hamburg.

Drei Stücke an drei Abenden

Auch momentan ist er voll im Stress. Drei Abenden mit drei unterschiedlichen Stücken am Theater in St. Gallen folgte eine Probe bis Mitternacht in der noch eiskalten Stiftsruine und gleich am Morgen die nächste – die jedoch mit so gutem Ergebnis, dass Borchert bestens gelaunt zum Pressetermin in die Festspielkarte kommt. Nur zum Essen ist er zwischendurch nicht gekommen, auch die mitgebrachte Banane bleibt vorerst in der Schale.

Das alles soll sich aber ändern. „Ich habe mich früher viel mehr über den Beruf definiert,“ sagt er, glaubt aber zu spüren, „dass es so nicht mehr ist. Und das ist gut so.“ Der Vernachlässigung seines Privatlebens und einem immer stärkeren „Gefühl der Entwurzelung“ arbeitet er seit einiger Zeit entgegen, indem er Stücke übersetzt, Regie führt oder produziert. „Ich möchte auch gerne auf die andere Seite“, beschreibt Borchert seine persönliche Umkehrung der Prioritäten.

„Viel Text“

Bei „Kiss me, Kate“ gilt das noch nicht. Seine Rolle hat nämlich nicht nur „sehr viel Text“, der gelernt werden möchte, sondern verlangt nach Slapstick-Einlagen („Da kann ich mal meine komische Seite zeigen, die es durchaus gibt.“) und der Rezitation von „echten Shakespeare-Versen“. Auch für einen Mann wie Borchert ist das eine „sehr große Herausforderung“.

Auch wenn er von einer Traumrolle nicht reden mag, so hat ihn dieser Part schon lange gereizt – genauso wie die erstmalige Zusammenarbeit Regisseur Stefan Huber und ein Engagement bei den im Musical besonders angesehenen Bad Hersfelder Festspielen.  zur Person

Von Karl Schönholtz

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