Carolin Schnabel hat in der kalten Jahreszeit einen der heißesten Jobs in Bad Hersfeld

Wedeln gegen den Winter

Bad Hersfeld. Wenn Carolin Schnabel zur Arbeit kommt, schlüpft sie raus aus ihren gefütterten Winterstiefeln und rein in die Flip Flops. Statt dickem Wollpullover und Jeans trägt sie einen blauen Badeanzug und kurze Shorts. Eine Uniform, die sie braucht, denn ihr Job ist einer der heißesten in der Festspielstadt. Carolin Schnabel wedelt den Winter fort, wenn sie sechsmal täglich in der 90 Grad heißen Sauna in der Kurbad Therme den Aufguss macht.

Das Frieren kennt die 28-jährige Kosmetikerin nicht aus ihrem Berufsleben. Wenn ihr einmal kalt wird, ist es zuhause. „Und dann muss zum Aufwärmen schon ein Bad her, wenigstens ein Fußbad. Tee hilft bei mir nicht viel“, sagt sie. Schließlich ist sie Temperaturen von 90 Grad und mehr gewohnt. „Ich bin froh, dass ich bei der Kälte nicht raus muss in den Schnee. Da behalte ich lieber meine warmen Füße.“

Eine Ausnahme seien die paar Minuten nach dem Aufguss. „Dann tauche ich ab ins Eisbecken. Herrlich.“ Denn das Wedeln mit dem Handtuch, mit dem sie Luft und Duft in der Sauna verteilt, kostet Kraft. Allerdings bleibt ihr im Gegensatz zu den Gästen keine Zeit, sich nach der Hitze-Attacke 20 Minuten lang auf einer Liege auszustrecken. Carolin Schnabel hat gleich den nächsten Termin. Das bedeutet: schnell duschen, neue Uniform, weiter geht’s zum nächsten Kunden. Die Kosmetikerin hat zwar drei- bis viermal die Woche Saunadienst, macht aber ebenso Kosmetik, Maniküre, Pediküre, Massagen und Co.

Geheimkammer voller Duft

Sechsmal am Tag öffnet sie eine kleine Geheimkammer im Saunabereich der Kurbad Therme und taucht ein in einen Kokon aus Zitronengrasduft, der sie umschließt. Hinter dieser Tür reihen sich Eukalyptus, Finnische Birke und Zitronengras, abgefüllt in Flaschen, aneinander. In einem Waschbecken lehnt ein großer hölzerner Eimer, in dem eine Mischung aus Zitronengrasöl und Wasser schwimmt. „Das ist mein absoluter Lieblingsduft. Es riecht so schön frisch und belebend.“ Diesen Duft peitscht sie den schwitzenden Saunagästen entgegen, indem sie ihr Handtuch über die Köpfe der Leute fliegen lässt, von unten nach oben wedelt, Hitze und Duft in die roten Gesichter drängt.

Dass Saunieren gesund ist, habe ihr Arbeitgeber in den vier Jahren, die Carolin Schnabel Aufgüsse macht, auch festgestellt: „Ich war nicht einmal krank“, sagt sie und lacht.

Lachen könne sie auch meistens, wenn sie den ein oder anderen „dummen Kommentar“ von einem männlichen Saunagast hört, während sie wedelt. „Man muss sich eben durchsetzen können. Aber die Arbeit im Warmen ist schon das richtige für mich. Bin eben ein Frostköttelchen.“

Von Judith Strecker

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