250 Dinge, die wir an der Region mögen (27): Das Hofgut Oberrode im Solztal

Wechselvolle Geschichte

Das Hauptgebäude von Gut Oberrode. Fotos: Manns

Sorga. Wenn man mit dem Rad oder zu Fuß auf dem Radweg, der ehemaligen Kreisbahnstrecke in Richtung Schenklengsfeld fährt oder geht, kommt man am historischen Gut Oberrode vorbei.

Erstmals am 14. Oktober 1351 urkundlich erwähnt, blickte das „Rittergut Oberrode“ im Jahr 2001 auf sein 650-jähriges Bestehen zurück. Seit der Ersterwähnung erlebte Oberrode eine sehr wechselvolle Geschichte mit häufig wechselnden Besitzern.

Oberrode wurde sogar ab dem 24. Januar 1861, nach langjährigen Auseinandersetzungen und Streitereien zwischen der damaligen Besitzerfamilie Braun, der Stadt Bad Hersfeld und der Gemeinde Sorga, als eigenständige Gemeinde durch das Ministerium des Inneren in Kassel anerkannt.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde in zwei Kalkbrennöfen Dünger- und Baukalk gebrannt, der im nahe gelegenen Kalksteinbruch abgebaut wurde. Der Abtransport erfolgte über die Verladestation im unteren Bereich und war über ein Anschlussgleis mit der Schienenstrecke der Hersfelder Kreisbahn verbunden. Von dort wurde der Kalk mit der Hersfelder Kreisbahn über die Schiene zum Bahnhof nach Bad Hersfeld und dann weiter über die DB-Strecke zu den Handels- und Gewerbetrieben transportiert.

Kalkgewinnung eingestellt

Die beiden Brennöfen stehen auch heute noch hinter dem Gutshof, verfallen aber zusehends. Die Kalkgewinnung wurde wegen Unrentabilität von der damaligen Besitzerin, Frau von Blomberg, Mitte der 1960er Jahre eingestellt. Die Anschluss-Schienen lagen noch lange Jahre, wurden aber später abgebaut. Heute ist alles mit Gestrüpp überwuchert.

Auch eine Nutriafarm befand sich in den 1980er Jahren auf dem Gutshof. Damals wurden die Felle dieser Nager für die Bekleidungsindustrie gebraucht. Aber auch das dauerte nicht allzu lange und die Zucht wurde eingestellt, weil auch sie sich nicht mehr rechnete.

Der Gutshof wird heute teilweise landwirtschaftlich genutzt, wobei das Glöckchen im Turm über dem Eingang heute noch zu jeder halben und vollen Stunde erklingt und den Menschen anzeigt, was die Stunde geschlagen hat.

Weitere Informationen zur Geschichte von „Gut Oberrode“ gibt es in einem Buch des Bad Hersfelder Geschichtsvereins: „Bad Hersfelder Geschichte und Geschichten – 650 Jahre Oberrode“, oder man kann sich im Internet unter www.badenhausen.net informieren.

Von Gerhard Manns

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