Trinkwasser-Fachleute widersprechen angeblichen Falschabrechnungen

Wasseruhr läuft korrekt

Hersfeld-Rotenburg. Müssen wir mehr Trinkwasser bezahlen, als wir eigentlich verbrauchen, weil die Wasseruhren immer ein wenig nachlaufen, auch wenn der Hahn wieder abgedreht ist? Die Wasserfachleute im Kreis antworten darauf mit einem klaren Nein.

Ein RTL-Fernsehbericht über angebliche massive Falschabrechnungen des Wasserverbrauchs stand im Blickpunkt des Jahrestreffens aller 40 Wassermeister und Verantwortlichen von Trinkwasserversorgungsanlagen des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Es ging um angebliche „Nachlauf-Fehler“ und daraus resultierende Überzahlungen. Laut RTL soll das Nachlaufen der Flügelradzähler dafür sorgen, dass bis zu 20 Prozent mehr als der tatsächliche Verbrauch angezeigt und abgerechnet würden.

Nachlauf-Fehler

Mit der Versuchsanordnung eines namhaften Wasserzählerherstellers haben die Fachleute aus dem Kreis nachgewiesen, dass die angeprangerten Nachlauf-Fehler in fast allen Fällen durch „Schleichfehler“ mehr als ausgeglichen würden. Schleichfehler der Wasseruhren entstehen nach Angaben der Fachleute dadurch, dass sehr geringer Wasserverbrauch von den Zählern gar nicht erfasst werde - wenn zum Beispiel nur ein dünnes Rinnsal aus dem Hahn fließt. Durch diesen Effekt würden sich die Bürger fast immer besser stehen, erklären die Fachleute.

Die Wassermeister befassten sich bei ihrem Treffen, das von den Obleuten der Wasserwerksnachbarschaft, Björn Spangenberg vom Fachdienst Gesundheit des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, Michael Reinmüller von den Stadtwerken Heringen sowie Frank Wendland von den Stadtwerken Rotenburg vorbereitet wurde, auch mit der Novellierung der Trinkwasserverordnung. Diese Neuerung hat zur Folge, dass in sensiblen öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen künftig häufiger Wasserproben genommen werden müssen, um die Qualität des Trinkwassers noch besser zu sichern. Verstärkt untersucht werden müssen künftig auch mobile Versorgungsanlagen und nur zeitweilig betriebene Systeme. Das gilt auch private Eigenversorgungsanlagen, wie sie im ländlichen Bereich noch öfter zu finden sind.

Für die Teilnehmer gab es neben praktischen Übungen zur korrekten Montage und Inbetriebnahme von Wasserzählern auch Einblick in die neuesten Computersysteme zur Dokumentation und Auswertung von Daten der Trinkwasserversorgungsanlagen.

Freiwillige Vereinigung

Wasserwerksnachbarschaften sind freiwillige regionale Zusammenschlüsse von Wasserfachleuten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, durch gemeinsame Fortbildungen aktuelle Trends der Trinkwasserhygiene und der Versorgungssicherheit in der Praxis umzusetzen. (ach)

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