Drei Tage lang stand das Buchcafé ganz im Zeichen von Dixie, Swing und mehr

Waschechter Jazz im Hersfelder Buchcafé

Zum Frühschoppen: „Just Friends“ mit Hannes Brauer (Trompete, Gesang), Petra Wiehe (Kontrabass), Ulrich Wiehe (Stagepiano) und Werner Seelig am Schlagzeug boten leichten traditionellen Jazz von Raggy Waltz über Bossa Nova bis Swing. Fotos: Sennewald

Bad Hersfeld. Das lange Jazz Wochenende im Buchcafé begann diesmal inoffiziell bereits am Freitagabend mit der eintrittsfreien Jamsession. Einmal im Monat treffen sich hier vorrangig heimische Musiker, um zwanglos traditionelle Stücke frei zu interpretieren oder auch mal zu variieren.

Jazz-Wochenende im Hersfelder Buchcafé

Den „Hot Swing Opener“ gab mit leichten Fingern Manuel Schmidtlein am Klimperkasten in Begleitung von Petra Wiehe am Kontrabass, Christian Steiner am Schlagzeug und Friedhelm Kühner an den Bongos. Danach verriet Christoph Kriefall (Gitarre, Gesang) dem Publikum im Alleingang seine „The Secrets Between The Strings“. Die Jamsession nahm Fahrt auf und urplötzlich war die Bühne mit bis zu zehn Musikern voll belegt, die bis in den späten Abend hinein alle Register ihres Könnens für sich und die Zuhörer zogen.

Richtig los ging es dann am Samstagabend mit „Schmidt:Line“. „Schmidt:Line“ ist fast ganz neu und das sind Marcel Schmidt (Saxophon) und Manuel Schmidtlein (Klavier) und ein ganz eigener Jazzstil. Beide verfügen über ein enormes Potential der freien Interpretation von Klassik bis Pop, was sie bereits im vorigen Jahr bei der „Musik im Festspielpark“ bewiesen. Klassisch begannen sie mit einer extra langsamen, aber schon einmal stark punktierten Version von „Mercy, Mercy, Mercy“ von Zoe Zawinul. Danach steigerten sie sich mit Jazzstandards wie „Groove Merchant“ und „Autum Leaves“ immer weiter in ihr synkopisches Zusammenspiel.

Bei dem „Song For My Mother“ sorgte ein sauberes Delay des Klaviers für Hochspannung. Nach „Dat Dere“ von Bobby Timmons ging es einen Waschgang höher, nämlich zur moderneren Pop-Musik. Der „ English Man In New York“ von Sting wurde mit einer gehörigen Dosis an extravaganten Kontrapunkten und Synkopen versehen. Ob Country“, „Africa“ von Toto, „Easy“ von den Commodores oder ihrem Lieblingsstück „New York State of Mind“ von Billy Joel bei allen Stücken war ihre Interpretation so einmalig intensiv, dass man weder den Text und Gesang noch den Bass und das Schlagzeug der Originale vermisste.

Nach der Zugabe „Just The Two Of Us“ gab es einen Szenenwechsel und ein auch so gewolltes Kontrastprogramm auf höchstem Niveau mit der „Earl Dudley Jazz Band“. Als 6-Mann-Formation zelebrierten die Männer um Fred Nash einen entspannten New Orleans Jazz, Skiffle, Dixieland, Swing oder auch Jazz-Klassiker wie „Dinah“ von Louis Daniel „Satchmo“ Armstrong. Die Rythmusgruppe mit Christian Wölkner am Kontrabass und mit dem „Neuen“, Stefan Marschner, am Schlagzeug arbeitete exakt nach Waschplan. Fred Nash (Gesang, Gitarre und Banjo) führte mit leichtem Witz durch das Programm, aber leider ohne Waschbrett. Die Solisten „Trompete“ Jürgen Sprenger, „Posaune“ Claus Haessler und „Klarinette“ Heinz Martin glänzten mit ihren Einlagen, sauberen Satzspiel und Soli.

Der Sonntagmorgen startete mit dem Jazz-Frühschoppen in der Buchcafé-Kneipe, wo man einfach ganz nah dran ist, an der Musik und an den Musikern. „Just Friends“ mit Hannes Brauer (Trompete, Gesang), Petra Wiehe (Kontrabass), Ulrich Wiehe (Stagepiano) und Werner Seelig am Schlagzeug boten den gut 40 Gästen bei Kaffe oder Bier leichten traditionellen Jazz von Raggy Waltz über Bossa Nova bis Swing. Dank der nur fünf Töne der Pentatonik und der zentralen Losung des „Saxophonismus“ (Speed Matters) gelang es Hannes Brauer mit Augenzwinkern die Zuhörer in die tiefsten Geheimnisse des waschechten Jazz einzuweihen.

Von Steffen Sennewald

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