Verdi-Protest beim Hersfelder Buchgroßhändler

Warnstreik im Weihnachtsgeschäft

Bad Hersfeld. „Alles wird teurer, wir auch“. Für diese Worte hat Verdi-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke am Dienstagmittag von den Mitarbeitern des Bad Hersfelder Buchgroßhändlers Libri viel Beifall bekommen. Seit fünf Jahren sind ihre Gehälter nicht erhöht worden, nachdem Libri aus dem Tarifvertrag ausgetreten ist.

Etwa 200 der 490 Festangestellten haben an einem Warnstreik vor dem Versandlager teilgenommen. „Das ist fast die gesamte Frühschicht“, erklärte die Betriebsratsvorsitzende Silvia Sander. Die Mitarbeiter hatten vorzeitig ihre Arbeit beendet. Personalleiter Rainer Daum erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass Libri prüfen werde, ob ihr Verhalten arbeitsrechtlich in Ordnung sei.

Mit dem Warnstreik hat die Dienstleistungsgewerkschaft auf eine Entscheidung des Arbeitsgerichts Bad Hersfeld reagiert. Das hatte am Dienstagmorgen auf Antrag Libris eine geplante Betriebsversammlung untersagt, nachdem es keine Einigung zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung gegeben hatte.

„Wir sträuben uns nicht vor Betriebsversammlungen“, sagte Daum. Aber im Weihnachtsgeschäft könne der Buchhändler der Buchhändler Ausfallzeiten von zweieinhalb Stunden nicht verkraften, zumal in der Regel auch Saisonkräfte an Betriebsversammlungen teilnähmen.

In zwei Wochen wird eine betriebliche Tarifkommission erstmals über eine mögliche Rückkehr Libris in die Tarifbindung diskutieren. Deren Vorsitzender und Verdi-Fachbereichsleiter Handel, Bernhard Schiederig, pochte beim Warnstreik darauf, dass sich eine Regelung am Tarif für den Groß- und Außenhandel orientieren müsse: „Libri ist ein Buchgroßhändler und kein Logistiker.“

Schiederig erwartet lange Verhandlungen, bis eine gemeinsame Lösung gefunden sei. Die große Teilnahme am Warnstreik wertete er als Zeichen für eine breite Unterstützung in der Belegschaft. (mcj)

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