DGB-Chef Stefan Körzell stärkt Amazon-Beschäftigten im Tarifkonflikt den Rücken

Warnstreik im Regen

Solidarität im Regen: Der hessische DGB-Chef Stefan Körzell hat gestern den streikenden Amazon-Beschäftigten den Rücken gestärkt und ihnen die volle Unterstützung der Gewerkschaften im Tarifkonflikt zugesichert. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Im strömenden Regen haben gestern knapp 200 Amazon-Mitarbeiter aus beiden Logistikzentren in Bad Hersfeld einen zweistündigen Warnstreik vor dem Firmentor am Werk an der Amazonstraße abgehalten. Die Gewerkschaft Verdi fordert für die Beschäftigten einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels.

Das US-Unternehmen lehnt dies ab und orientiert sich an der Bezahlung in der Logistikbranche. Grund für die nunmehr dritte Arbeitsniederlegung seit der Urabstimmung war der Besuch von Landes- und Kreispolitikern aus der Region, die von der Amazon-Geschäftsleitung zu einem Meinungsaustausch eingeladen worden waren.

Die Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middecke kritisierte, dass zu diesen Gespräche nicht auch der Betriebsrat eingeladen war. Deshalb wolle man den Gästen die Gelegenheit geben, auch mit den Beschäftigten ins Gespräch zu kommen. Sie rief die Mitarbeiter der Spätschicht dazu auf, sich an dem Ausstand zu beteiligen. Die Streikenden empfingen die eintreffenden Politiker mit Trillerpfeifen, Transparenten und roten Verdi-Regenschirmen.

Prominente Unterstützung erhielten die Arbeitskämpfer vom hessischen DGB-Chef Stefan Körzell, der ihnen demonstrativ den Rücken stärkte. „Ich bin stolz auf euren Protest, denn es ist eine Sauerei, dass Amazon versucht, sich den passenden Tarifvertrag auszusuchen“, rief der den Streikenden zu. Körzell mahnte, die Arbeitnehmer dürften sich nicht gegeneinander ausspielen lassen, betonte aber auch, dass er froh sei, dass es die Amazon-Arbeitsplätze gibt. „Aber zu Deutschland gehört auch die tarifliche Mitbestimmung.“

Politiker von SPD, Linken und der FDP nutzten die Gelegenheit, vor dem Gespräch mit der Geschäftsleitung auch mit den Beschäftigten zu sprechen. Regierungspräsident Walter Lübke (CDU) ging allerdings wortlos an den Streikenden vorbei, was mit Pfiffen und Buhrufen quittiert wurde.

Von Kai A. Struthoff

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