Räuberischer Diebstahl in der Spielothek: Ein Jahr und sechs Monate für Hersfelder

„War ’ne dumme Aktion“

Bad Hersfeld. „Das war ‘ne dumme Aktion,“ zeigte sich der Angeklagte ganz einsichtig. Und selbst die anderthalb Jahre Freiheitsstrafe, zu denen ihn das Bad Hersfelder Schöffengerichts wegen räuberischen Diebstahls und anderer Taten verurteilte, begriff er in erster Linie als Chance, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Denn Drogen und Glücksspiel haben den 28-jährigen Hersfelder schon vor Jahren aus der Bahn geworfen. Seine Vorstrafenliste ist lang. Zwei Jahre Jugendknast hat er bereits abgesessen, wegen weiterer Delikte steht er bis November kommenden Jahres unter Bewährung. Die Ehe des gelernten Schlossers ist kaputtgegangen, die vierjährige Tochter somit bald ein Scheidungskind. Zuletzt war er noch als Lagerarbeiter beschäftigt, doch momentan lebt er von Hartz IV.

Da ist das Geld knapp, wenn Rauschgift und dubioses Freuzeitvergnügen finanziert werden müssen.

Also schnappte sich der Hersfelder eines Abends im vergangenen April einen Schraubenzieher, um in Spielotheken an die Geldschächte von Internet-Rechnern heranzukommen.

Drogen-Nachschub

Beim ersten Versuch klappte das problemlos, so dass sich der 28-Jährige von den erbeuteten 25 Euro gleich anschließend Drogen-Nachschub besorgen konnte.

Dermaßen zugedröhnt wagte er ein paar Stunden später im Obergeschoss einer weiteren Spielothek den nächsten Versuch. Hier wurde er jedoch von der Aufsicht auf frischer Tat ertappt.

Ellbogen-Rempler

Die 51 Jahre alte Frau stellte sich zwar dem Dieb in den Weg, doch der verschaffte sich mit einem Ellbogen-Rempler den Freiraum zur Flucht. Die Überwachungskamera hatte die dramatischen Momente festgehalten, so dass sich die Polizei und das Gericht mit seinem Vorsitzenden Michael Krusche im Nachhinein einen Eindruck vom Ablauf verschaffen konnten.

Das war insofern von Bedeutung, weil der vom Täter mitgeführte Schraubenzieher ja auch als Waffe hätte eingesetzt werden können.

Im Gerichtssaal zeigte sich der Angeklagte jedoch kein bisschen agressiv. Vielmehr entschuldigte er sich bei der Zeugin, die den Vorfall auch gut weggesteckt hatte. Sogar ihre Schicht hatte die Frau in der Tatnacht noch beendet.

Die Frage einer neuerlichen Bewährungschance stellte sich beim Hersfelder diesmal nicht. Doch Gericht, Staatsanwältin Lambiel und Verteidiger Jochen Kreissel verständigten sich in einem Rechtsgespräch darauf, die Tat als minderschweren Fall zu bewerten und wegen des Drogenkonsums von verminderter Schuldfähigkeit auszugehen.

Marihuana besessen

In die Gesamtstrafe einbezogen wurde auch der Besitz von Marihuana, das im Oktober 2011 beim Angeklagten gefunden worden war.

Von Karl Schönholtz

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