Flächenstilllegung im Forst: Private blasen zum Widerstand

Waldbesitzer fürchten die kalte Enteignung

Hersfeld-Rotenburg. Der deutsche Wald ist in den vergangenen 40 Jahren um eine Fläche von einer Million Hektar gewachsen. Seine Holzvorräte sind die größten in ganz Europa. Als Teilziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt beabsichtigt die Bundesregierung nun, bei fünf bis zehn Prozent der Wälder die wirtschaftliche Nutzung einzustellen.

Allein Hessen will 3 400 Hektar Staatswald „stilllegen“. Diese Absicht, die von den Naturschutzverbänden begrüßt wird, stößt bei privaten und kommunalen Waldbesitzern in Hessen auf massive Ablehnung.

„Jetzt soll uns noch etwas obendrauf gepackt werden“, befürchtet Henning Graf von Kanitz, Geschäftsführer der Waldgesellschaft der Riedesel Freiherren zu Eisenbach, die im Norden unseres Landkreises mit einer Fläche von 3 000 Hektar den größten Privatwald bewirtschaftet.

Würde die Absicht verwirklicht, zehn Prozent des Waldes wieder sich selbst zu überlassen und aus der forstlichen Nutzung herauszuziehen, käme das nach Meinung der Riedesel einer „kalten Enteignung“ gleich. Henning von Kanitz hält nichts von der am grünen Tisch verfügten Verpflichtung zur Flächenstillegung im Wald. Die Privatwaldbesitzer wirtschafteten schon jetzt nachhaltig und naturnah, versagten sich Kahlschläge, gingen beim Maschineneinsatz schonend vor und erfüllten die Vorgaben der zertifizierten Forstwirtschaft. Der Zwang, zehn Prozent des Waldes verwildern zulassen, bedeute für die Privatwaldbesitzer einen Vermögensverlust und verschlechtere so die betriebswirtschaftliche Situation der Privatwaldbesitzer.

Wirtschaftlich und sozial sei der Wald intakt. Große Eingriffe fürchten die Riedesel in ihren Wald, wenn die Gemeinde Ludwigsau mit ihrer Forderung nach einer Überspannung des Hochwaldes für die 380-Kilovoltleitung Wahle-Mecklar obsiegt. ZUM TAGE/LOKALSEITE 2

Von Kurt Hornickel

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