Montagsinterview mit dem Förster und Grünen-Politiker Jörg Althoff aus Ludwigsau

Der Wald ist für alle da

Waldläufer: Der Grüne Kreistagsabgeordnete und hauptberufliche Förster Jörg Althoff verbringt viel Zeit im Wald. Unser Foto zeigt ihn mit seiner Wachtelhündin Lilly im Wald bei Biedebach. Foto: Privat

Hersfeld-Rotenburg. Der Entwurf des neuen Waldgesetzes sorgt für Diskussionen. Vor allem Mountain-Biker fürchten massive Einschränkungen auf Waldwegen. Kai A. Struthoff sprach darüber mit dem Grünen-Kreistagsabgeordneten Jörg Althoff aus Ludwigsau, der hauptberuflich Förster ist.

Herr Althoff, zunächst eine Frage an Sie als Förster: Wofür brauchen wir eigentlich ein Waldgesetz?

Jörg Althoff: Der öffentliche Wald gehört allen Bürgerinnen und Bürgern und deshalb muss geregelt werden, was man im Wald darf und was nicht. Dabei geht es nicht nur um das reine Betretungsrecht – also das Wandern, Reiten, Radfahren –, sondern auch um die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung sowie die Sozial- und Schutzfunktion des Waldes.

Viele Schäden im Wald entstehen aber doch durch die großen Holzerntemaschinen.

Althoff: Es fällt schwer zu erklären, warum Radfahren verboten sein soll, wenn bei feuchter Witterung durch Holzerntemaschinen tiefe Furchen im Waldboden hinterlassen werden. Auch das müsste in einem Waldgesetz geregelt werden.

Die Neufassung des Waldgesetzes ist heftig umstritten. Wie würde aus Sicht der Grünen ein gutes Waldgesetz aussehen?

Althoff: Das Recht der Allgemeinheit, den Wald zu betreten, muss erhalten bleiben. Wir Grünen wollen das Wandern, Radfahren und Reiten natürlich gestatten. Viel wichtiger ist aber, dass der sogenannte Bannwald, also der Wald, der dem Schutz des Menschen dient, weder gerodet noch umgewandelt werden darf. Diese Vorschrift ist seinerzeit wegen des Ausbaus des Frankfurter Flughafens geändert worden. Es geht also darum, Wald nicht in andere Nutzungsformen umzuwandeln. Gerade in Ballungsräumen ist das unerlässlich.

Muss man da nicht flexibler sein? Wir haben doch hier in Nordhessen genug Wald.

Althoff: Wir können aber hier in Nordhessen nicht die Klimaschutzfunktion des Waldes und dessen Aufgabe als Wasserspeicher für das Rhein-Main-Gebiet ausgleichen. Deshalb ist überall ein gewisser Waldanteil nötig – nicht zuletzt auch zur Erholung.

Aber der Wald mit seinem Holz ist doch auch ein Wirtschaftsfaktor.

Althoff: Richtig! Trotzdem ist es wichtig, dass zehn Prozent der Staatswaldes im Interesse des Arten- und Biotopschutzes aus der Nutzung genommen werden. Das sieht mein Arbeitgeber Hessen Forst leider anders. Aber gerade die alten Buchenbestände sind aus meiner Sicht in den letzten Jahren zu stark genutzt worden! Doch eben dort leben besonders viele gefährdete Arten – Spechte, Schwarzstörche, Fledermäuse. Deshalb sollte es auch keinen Holzeinschlag in den Brut- und Setzzeiten geben.

Auch beim Bau der 380-kV-Trasse werden Bäume fallen müssen. Die Grünen halten sich in der Diskussion ziemlich zurück. Warum?

Althoff: Ich habe mich dazu bereits geäußert. Ich halte die Diskussion um die sogenannte Waldtrasse in Ludwigsau für unglücklich. Diese Trasse würde 20 Kilometer durch den Wald gehen, etwa 200 Hektar Wald würden dabei durchkreuzt. Der Spruch „Mensch vor Natur“, der dabei zur Rechtfertigung oft bemüht wird, bringt mich auf die Palme. Wir sind nur ein Teil und nicht die Krönung der Schöpfung. Mensch und Natur kann man nicht trennen. Deshalb sollte man lieber die neue Leitung mit der bestehenden Stromleitung Borken/Mecklar bündeln und beide weiter von der Wohnbebauung in Niederthalhausen wegrücken.

Einen Eingriff in die Natur stellt auch die geplante dritte Fuldabrücke bei Lispenhausen dar, die die bessere Vermarktung der Kaserne sichern soll. Was halten Sie davon?

Althoff: Gar nichts! Das Kasernengelände wird auch mit einer Brücke nicht attraktiver werden - dafür gibt es bereits zu viele Gewerbegebiete, die direkt an den Autobahnen sowie an der B27 liegen. Außerdem ist eine solche Brücke überhaupt nicht zu finanzieren. Wo will Herr Bouffier das Geld dafür hernehmen, wo es doch sonst an allen Ecken im Landeshaushalt, etwa für Kinderbetreuung und Bildung, fehlt? Außerdem hat man in Rotenburg gerade viel in die Renaturierung der Fuldaaue investiert.

Was ist also Ihr Vorschlag? Rotenburg abschreiben?

Althoff: Nein, natürlich nicht. Die Grünen haben ja bereits Vorschläge gemacht. Die Kaserne ist in einem guten Zustand, Breitband ist vorhanden. Hier könnte das Land andere Behörden ansiedeln – zum Beispiel den Landesbetrieb Hessen Forst. Aber auch die Zollverwaltung könnte dort einziehen, ganz ohne Brücke. Oder die Landesanstalt für Umwelt und Geologie, die jetzt in Kassel, Darmstadt und Gießen sitzt, könnte in Rotenburg konzentriert werden. Das alles könnte Ministerpräsident Bouffier sofort veranlassen, ohne 100 Millionen für eine neue Fulda-Brücke in die Hand zu nehmen.

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