„The 12 Tenors“ – das Vokal-Ensemble der Extraklasse – begeistert in der Stadthalle

Wahre Leckerbissen

Tolle Stimmen, tolle Show: In den vergangenen Jahren ersangen sich „The 12 Tenors“ vor allem in China, Japan und Deutschland einen hervorragenden Ruf.

Bad Hersfeld. Tenöre sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Oder hat man jemals Enrico Caruso mit nacktem Oberkörper auf der Bühne gesehen?

Diesen Leckerbissen für die Augen boten „The 12 Tenors“ in ihrer Show, die bei ihrem Gastspiel in der nahezu ausverkauften Stadthalle restlos begeisterten.

Optischer Pluspunkt

Alexander aus Nürnberg, einer der drei Deutschen im Ensemble, ließ sein weißes Unterhemd blitzen, kam aber an den schönsten Mann der Truppe nicht heran, der die Hüllen fallen ließ. Ein optischer Pluspunkt, aber es ist vor allem die mitreißende Energie der stimmgewaltigen Ausnahmesänger, von der sich das Publikum gern anstecken ließ. Ernsthaft klassische Arien wie „Nessun Dorma“, Pop-Hymnen wie „Music“ oder John Lennons „Imagine“ waren feine Leckerbissen für die Ohren.

Tenöre singen heutzutage nicht mehr nur Opern. Pavarotti, Domingo und Carreras waren in den neunziger Jahren die Wegbereiter für die heutigen Ensembles, die spektakulär tanzen und dabei geschmeidig in den Hüften sind, charmant und humorvoll moderieren und treffsicher zwischen den Stilen wechseln. Kein Genre ist vor ihnen sicher, nie war Musik von einer einzigen Stimmlage so vielfältig.

Die Tenöre, ein bunt zusammen gewürfeltes Ensemble aus der ganzen Welt, erinnerten mit „Veronika, der Lenz ist da“ an die erste deutsche Boygroup die „Comedian Harmonists“. Im munteren Mix folgte auf „Kalinka“ ein völlig neu arrangiertes Michael-Jackson-Medley zu Ehren des Verstorbenen. Mit „We will rock you“ von Queen rockten sie die Bühne und den Saal, während bei „Dein ist mein ganzes Herz“ die Operettenliebhaber selig mitsummten.

Eine nette Idee war der Sängerwettbewerb zwischen einem Deutschen und einem Engländer, bei dem Alexander mit dem „Kampfgewicht eines echten italienischen Tenors“ mit „O sole mio“ ins Rennen ging. Das Duell ging unentschieden aus. Seine Frage, ob die Show gefallen hat, beantwortete das Publikum eindeutig.

22 Welthits, begleitet von einer dreiköpfigen Live-Band und eingebunden in einer kurzweiligen Show mit einer aufwändigen Lichtregie wurden frenetisch beklatscht und bejubelt. Tenöre sind wirklich nicht mehr das, was sie mal waren. Heute treffen sie den Musikgeschmack mehrerer Generationen und geben ihr Bestes, das Publikum auch noch wunderbar zu unterhalten.

Von Gudrun Schmidl

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