Riesenrad-Interviews mit den Landratskandidaten – Heute: Alexander Sauer (unabh.)

Wahlkampf ohne Schärfe

Wie Sie sehen, sehen Sie nicht viel: Bei der morgendlichen Riesenrad-Runde mit Alexander Sauer war es noch neblig. Der unabhängige Landratskandidat nahm die miese Aussicht mit Humor. Foto: Struthoff

Herr Sauer, eine Fahrt im Riesenrad ist für Sie vermutlich langweilig, weil Sie als Berufssoldat ja dauernd im Panzer oder mit dem Militärhubschrauber unterwegs sind.

Alexander Sauer: Früher bin ich tatsächlich viel Hubschrauber geflogen und auch mit dem Fallschirm abgesprungen. Aber seit zehn Jahren arbeite ich in Stäben und Ämtern. Da ist so eine Fahrt im Riesenrad eine schöne Abwechslung.

Fehlt Ihnen der Adrenalinkick?

Sauer: Nein – die Anforderungen haben sich einfach geändert – meine jetzigen Aufgaben sind aber auch sehr spannend und fordernd!

Liegt es an den veränderten Anforderungen, dass Sie zuerst Bürgermeister von Niederaula, dann Landtagsabgeordneter und jetzt Landrat werden wollen?

Sauer: Nein, mein Dienst macht mir immer noch viel Spaß, aber ich möchte mich auch weiterentwickeln. Außerdem habe ich festgestellt, dass es viele inhaltliche Parallelen zur Kommunalpolitik und -verwaltung gibt. Ich habe auch bei der Bundeswehr mit Finanzwesen, Infrastruktur und Organisationsformen zu tun.

Sie kandidieren als unabhängiger Kandidat obwohl Sie auch Kreissprecher der AfD sind. Die Alternative für Deutschland ist ja derzeit politisch quasi im Riesenrad auf dem Weg nach oben. Warum verleugnen Sie Ihre politischen Sympathien?

Sauer: Das tue ich nicht. Aber die AfD hat bislang nur ein europapolitisches Programm, während die Bundes- und Landesprogramme noch entwickelt werden. Wie alle Parteien in Hessen ist die AfD sehr südlastig durch die starken Verbände in Frankfurt und Offenbach. Wenn möglicherweise die geplanten Landesprogramme nicht den nordhessischen Anforderungen genügen, könnten sie also meiner persönlichen Auffassung und den Bedürfnissen der Region widersprechen. Deshalb kandidiere ich lieber unabhängig.

Welche Chancen haben Sie gegen Elke Künholz und Michael Koch, die beide von großen Parteien SPD und CDU unterstützt werden?

Sauer: Eine Landratswahl ist eine Personenwahl. Und es geht um Themen. Deshalb kann sich niemand auf dem Parteibuch ausruhen.

Aber eine Partei hilft auch bei der Organisation und der Finanzierung. Wer bezahlt Ihre Plakate und wer klebt sie an?

Sauer: Im Moment finanziere ich alles selbst, werbe aber auch um Spenden. Ich arbeite mit einer Agentur zusammen und habe ehrenamtliche Helfer.

Sie plädieren für eine Gemeindereform. Verprellt das nicht die Wähler, wenn Sie ihnen ihr Rathaus wegnehmen wollen?

Sauer: Darum geht es doch nicht. Aber wir müssen uns strukturell neu aufstellen und dürfen den demographischen Wandel nicht ignorieren. Das sollten wir jetzt langsam selber angehen und nicht erst auf die große Keule aus Wiesbaden warten. Die bisherige interkommunale Zusammenarbeit geht noch nicht weit genug. Ich könnte mir beispielsweise ein gemeinsames Bauamt für drei Gemeinden vorstellen. Auch im Sport haben sich die Spielgemeinschaften doch inzwischen durchgesetzt.

Auf welche Themen setzen sie sonst?

Sauer: Das Energiethema mit Windkraft und Stromtrassen ist ganz wichtig. Die Energiewende von oben nach unten funktioniert nicht. Wir müssen das umdrehen und ein regionales Konzept entwickeln. So könnten Kommunen gemeinsam eine Erneuerbare Energie AG gründen, um so die Energieversorgung für die Region sicherzustellen. Außerdem können wir dann selbst bestimmen, wo und ob überhaupt Trassen und Windräder gebaut werden.

Wie stehen Sie zur Klinikfusion?

Sauer: Ich bin für eine kreis-interne Lösung mit HKZ und Kreiskrankenhaus. Allerdings sollten die Verhandlungszeiträume ausgedehnt werden, weil das Thema sehr komplex ist. Von einem Verkauf des Klinikums an das HKZ halte ich allerdings nichts.

Sie waren früher in der CDU, sind aber heute auf die alte Partei nicht gut zu sprechen. Würden Sie mit dem CDU-Kandidaten Dr. Michael Koch eine Runde Riesenrad fahren?

Sauer: Wir haben uns sogar schon zum Kaffee verabredet. Herr Koch macht einen sehr sympathischen Eindruck. Ich habe nur inhaltlich bei vielen Themen eine andere Auffassung als die CDU. Aber ich möchte mich gern mit allen Kandidaten verabreden, um schon im Vorfeld trotz unterschiedlicher Positionen eine unnötige Schärfe aus dem Wahlkampf zu nehmen. Ich möchte, dass wir vernünftig miteinander umgehen.

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