Wahlkampf beim Weinfest

Kai A. Struthoff

Ferienzeit ist bei uns in der Redaktion auch immer Praktikantenzeit. Und das ist auch gut so. Die jungen Leute, meist sind es Abiturienten oder Studenten, bringen frischen Wind und neue Ideen in unseren Lokalteil und sind außerdem eine echte Verstärkung unserer urlaubsgeschwächten Mannschaft.

Obwohl die Berufschancen in unserer Profession momentan gar nicht so gut sind und der Job ziemlich stressig ist, gefällt es den meisten Praktikanten offenbar gut bei uns. Der Journalismus ist ja auch ein toller, abwechslungsreicher und interessanter Beruf. Davon darf sich heute auch unser „Edel-Praktikant“ Michael Roth überzeugen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete schnuppert für einen Tag bei uns „Schmierfinken“ von der Journaille rein. Natürlich muss er richtig mitarbeiten. Wenn Sie Herrn Roth also heute recherchierend in der Stadt treffen, seien Sie nett zu ihm. Er ist ein Praktikant.

So uneins und zersplittert sich die CDU in unserem Kreis oft präsentiert – gemeinsam feiern, das können sie. Beim fast schon traditionellen Weinfest zum 71. Geburtstag des Ehrenvorsitzenden Reinhold Stanitzek traten so ziemlich alle Parteifreunde an, die Rang und Namen haben. Die Stimmung war prächtig und das lag nicht nur am vortrefflichen Wein, der kredenzt wurde. Zudem gaben die Opernsänger Irina Küppers und Johannes Wollrab einen musikalischen Vorgeschmack auf die „Zauberflöte“. Auch der unabhängige Bürgermeisterkandidat Martin Gröll, „der zwar nicht von der CDU unterstützt werden will, aber trotzdem von uns unterstützt wird“, wie Stanitzek launig anmerkte, war unter den Gästen.

Gröll gönnt sich dieser Tage das volle Programm - vom Dorfabend in Asbach bis zum Weinfest am Finkenweg. Immer mit dabei sind auch seine sympathische Frau und sein niedlicher Sohn. Gröll gibt sich ein wenig wie ein waldhessischer Kennedy und will lieber mit seiner Familie als mit parteipolitischen Festlegungen punkten. Aber auch mit Ideen. Sein Vorschlag einer Kulturstiftung zur Unterstützung der Festspiele ist zwar nicht ganz neu, aber diskussionswürdig. Immerhin setzt Gröll Themen. Und das scheint der SPD gar nicht zu schmecken. Führende Genossen nutzen zurzeit jede Gelegenheit, um über den „Dorfbürgermeister“ zu lästern. Auch Grölls Stiftungskonzept wurde kurzerhand mit „Das geht gar nicht“ abgewatscht. Ein Vorschlag kann nicht gut sein, wenn er nicht von der eigenen Partei kommt. Ist das nun Wahlkampf oder ist das typisch für die Bad Hersfelder Verhältnisse?

Struthoff@hersfelder-zeitung.de

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