Christian Wulff ist neuer Bundespräsident: Das sagen die heimischen Politiker dazu

„Wahl war eine Blamage“

Manfred Fehr

Hersfeld-Rotenburg. Deutschland hat einen neuen Bundespräsidenten – und der Landkreis diskutiert über Christian Wulff. War der neunstündige Wahlgang angemessen? Hat es dem Ansehen von Angela Merkel noch mehr geschadet? Und wie wird sich Wulff darstellen? Wir haben uns bei den Politikern umgehört.

Mittendrin im Wahlkrimi war der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth, der als Wahlmann auch seine Stimme abgegeben hat. Für Joachim Gauck. „Die Wahl war vielleicht kein Krimi, schließlich gab es keine Leiche. Aber man kann sie schon mit einem spannungsgeladenen Abenteuerfilm vergleichen“, sagt er. Niemand der Anwesenden habe mit drei Wahlgängen gerechnet, „das hat man auch den Gesichtern der Kollegen von CDU/CSU und FDP angesehen“. Er findet es erstaunlich, dass sich die Wahlmänner der regierenden Fraktionen nicht hinter Angela Merkel gestellt haben. Wegen der anwesenden 1244 Wahlmänner und -frauen sei die Logistik im Bundestag außerdem sehr ins Straucheln gekommen: „Es gab nicht genügend Wasser und das Büfett köchelte seit 14.30 Uhr vor sich hin“, berichtet Michael Roth.

Rotenburgs Bürgermeister Manfred Fehr wirft anlässlich der Wahl die Frage auf, ob Deutschland einen Bundespräsidenten brauche. Man könnte unter Umständen 20 Millionen sparen. Zu Christian Wulff sagt er: „Der neue Bundespräsident ist gewählt. Damit ist er der Präsident aller Deutschen. Die Würde des Amtes gebietet es, persönliche Kritik zu unterlassen.“

Bad Hersfelds Bürgermeister Hartmut H. Boehmer sieht die drei Wahlgänge „als eine Blamage“ für die Regierung und die Bundeskanzlerin an. Erst sei das Ganze zur Schicksalswahl hochstilisiert worden – und dann habe Frau Merkel so getan, als seien drei Wahlgänge natürlich. „Ich freue mich über Herrn Wulff als neuen Bundespräsidenten genauso, wie ich mich über Herrn Gauck gefreut hätte. Es sind völlig verschiedene Typen, aber beide geeignet“, sagt Boehmer.

Herbert Höttl, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, freut sich über die Wahl Christian Wulffs. „Er wird als junger Bundespräsident mit seiner jungen Familie ein guter Repräsentant in aller Welt sein“, sagt er. Die Begleitumstände seien allerdings mehr als traurig. „Ein anonymer Denkzettel in der Wahlkabine ist das falsche Signal, um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen“, sagt er. Angela Merkel müsse einsehen, dass sachliche und personelle Konsequenzen notwendig seien.

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt gratuliert Christian Wulff zu seiner Wahl. „Ich bin sicher, Christian Wulff wird ein guter Präsident werden, der zusammenführt, der integriert und zu dem wir mit Stolz und Freude aufblicken können“.

Dekanin Gisela Strohriegl hätte sich gewünscht, dass sich die Parteien im Vorfeld auf einen Kandidaten einigen. Jetzt aber hoffe sie, dass Wulff angemessen „eingehen kann auf die Erwartungen hinsichtlich Kontinuität, Orientierung und Gerechtigkeit.“

Von Judith Strecker und Philipp David Pries

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