Bewährungsstrafe für 76-Jährigen

Waffe auf dem Balkon „getestet“

Bad Hersfeld. Seine Schießübungen auf dem heimischen Balkon kommen einen 76-jährigen Bad Hersfelder teuer zu stehen, außerdem wurde er zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Gleich drei Schüsse hatte der Rentner, der sich jetzt vor dem Amtsgericht Bad Hersfeld verantworten musste, am 17. März 2011 auf dem Balkon seiner Wohnung in der Nähe des Klinikums Bad Hersfeld abgegeben – zwar in die Luft, aber mitten in einer Wohnsiedlung und in der Nähe des Krankenhauses. Abgesehen davon hätte er die Waffe und die entsprechende Munition gar nicht besitzen dürfen.

„Zum Spottpreis“ gekauft

Gekauft habe er die halbautomatische Selbstladepistole inklusive Munition vor etwa zehn Jahren „zum Spottpreis“ in Ungarn, erklärte der Angeklagte. Er habe sich damit schützen wollen. „Ich war sehr erfolgreich und hatte in Hersfeld viele Neider“, gab der 76-Jährige an, der als Architekt und Bausachverständiger tätig war. Zum Beispiel sei sein Auto zerkratzt und sein Pferd vergiftet worden.

Erst später sei ihm sein „Denkfehler“ klar geworden, dass er die Waffe ja gar nicht mitführen und benutzen dürfe. „Wenn man bedroht wird, muss man die Polizei rufen“, erklärte der Angeklagte. Fortan habe die Pistole daheim im Schrank gelegen. „Ich sammel alte Sachen und konnte mich nicht trennen.“

An besagtem März-Tag 2011 habe er die Schusswaffe dann lediglich auf ihre Funktion testen wollen – warum, blieb unklar. Auch auf die Frage des Staatsanwalts: „Was dachten Sie denn, wo die Patronen landen?“, wusste der 76-Jährige auch so recht keine Antwort.

Der Staatsanwalt nannte den Vorfall „eine gefährliche und unkontrollierbare Geschichte“. Der Besitz der Waffe sei schon eine Straftat gewesen, die „Funktionsprüfung in bewohntem Gebiet aber war die Krönung.“ Er beantragte ein Jahr auf Bewährung und eine Geldbuße in Höhe von 3000 Euro. Die Verteidigerin des Angeklagten wies auf deren Unbescholtenheit hin, sie sprach sich für die vom Gesetz vorgesehene Mindeststrafe von sechs Monaten aus.

Richter Dominik Dute verurteilte den Rentner schließlich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung (festgesetzt auf zwei Jahre) und folgte der 3000- Euro-Geldbuße. „Das war eine gute Idee“, so der Richter in Bezug auf die Einsicht des Angeklagten, die Waffe zunächst beiseite gelegt zu haben. „Weniger gut“ seien dann die Schießübungen auf dem Balkon gewesen, auch wenn die Sache noch glimpflich ausgegangen sei.

Der 76-Jährige akzeptierte das Urteil.

Von Nadine Maaz

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