Montagsinterview: Schaustellersprecher Heiner Distel über das Lullusfest 2011, das Phänomen Autoscooter und seinen Fahrstil

„Wären nur alle Feste wie Lolls“

Bad Hersfeld. Ein bisschen ist es wie nach Hause kommen, wenn Heiner Distel wieder mit seinem Autoscooter in Bad Hersfeld einbiegt. Lolls ohne die Distels scheint inzwischen unmöglich und sogar der Hausarzt der Familie ist Hersfelder. Mitten im Trubel des Wochenendes haben wir den Herrn über den bunten Rummel-Fuhrpark zum Kaffee getroffen.

Herr Distel, sind Sie eigentlich ein rasanter Autofahrer?

Heiner Distel: Ich würde eher sagen, ein sportlicher.

Schon mal jemanden gerammt?

Distel: Bisher wurde eher ich gerammt, als dass ich jemanden erwischt hätte.

Der Autoscooter ist ja nicht gerade ein spektakuläres Trendfahrgeschäft. Warum funktioniert er immer noch?

Distel: Einmal natürlich, weil man zu zweit fahren und jemanden einladen kann. Wir beobachten auch heute noch, dass kräftig geflirtet wird. Und im Autoscooter wird einem auch nicht schwindelig, viele Leute vertragen die wilden Karussells ja gar nicht. Früher war der Autoscooter auch erst ein Ersatz fürs echte Autofahren und dann für die Discos. Und die, die damals schon gefahren sind, bringen heute ihre Familien mit.

Trotzdem hat das Fahrgeschäft den Ruf eines Proll-Treffpunktes. Zu Recht?

Distel: Das Image gibt es, ja, und es ist schwer loszuwerden. Aber ich denke, in den letzten Jahren ist es ruhiger geworden. Natürlich gibt es immer einzelne, die Stress machen. Das ist nicht zu verhindern, wenn auf einem Fest so viel Alkohol fließt.

Hat das „Lolls-ohne-Prolls“-Programm in den vergangenen Jahren etwas gebracht?

Distel: Ich denke schon, auch wenn ich am Anfang skeptisch war. Ich finde, der Titel suggeriert, dass das Lolls-Publikum aus Prolls besteht, und das stimmt nicht. Es sind einzelne wenige, die aggressiv sind.

Jetzt ist Lolls 2011 auch fast wieder zu Ende. Ihre vorläufige Bilanz?

Distel: Es war ein gutes Lolls, nur am Mittwoch hatten wir Pech mit dem Regentag. Aber das Wochenende war natürlich toll und wir können mit den Umsätzen zufrieden sein.

Herrscht denn immer noch Krisenstimmung?

Distel: Man sagt ja: Je schlechter es den Leuten geht, desto mehr wollen sie feiern. Wir haben die Krise zu spüren bekommen, aber ich wage zu hoffen, dass es jetzt wieder aufwärts geht. Wenn es nur Feste wie das Lolls gäbe, hätten wir keine Probleme. Lolls ist verwurzelt, und das gute Rahmenprogramm zieht zusätzlich Leute an. Nehmen Sie den Donnerstag mit Guildo Horn, da waren Festplatz und der ganze Linggplatz voll.

Nach einem Familien-Lollsbummel mit Karussell und Zuckerwatte ist man schnell ein kleines Vermögen los. Muss das so sein?

Distel: Wir sind uns des Dilemmas bewusst. Einerseits wollen wir volkstümliche Preise machen, aber andererseits schießen auch unsere Ausgaben in die Höhe. Bis ich den ganzen Autoscooter von München nach Hersfeld gebracht habe, bin ich 3000 Euro Spritgeld los. Vor ein paar Jahren waren das noch 1000 Euro.

Sind die Lolls-Schausteller eigentlich Kollegen oder gibt es harten Wettbewerb?

Distel: Bis zu einem gewissen Grad sind wir natürlich Konkurrenten, die an das eigene Geschäft denken, aber man kennt und hilft sich auch. Wenn bei einem Schausteller etwas schiefläuft fällt das ja auf uns alle zurück. Der Besucher nimmt ja nicht die einzelnen Stände war. Für ihn gibt es nur das Lullusfest.

Bei der Arbeit werden sie ununterbrochen mit Musik beschallt. Gibt es einen Partyhit, den Sie absolut nicht mehr hören können?

Distel: „Hey, das geht ab“ von den Atzen möchte ich wirklich nicht mehr ertragen.

Gibt es nach Lolls denn ein bisschen Ruhe?

Distel: Nicht besonders viel, weil bald die Weihnachtsmarktsaison anfängt. Aber über Allerheiligen fahren wir ein paar Tage in die Berge. Im Urlaub ziehen wir uns gern mal zurück.

Von Saskia Trebing

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