HZ-Interview mit dem parteilosen Bürgermeisterkandidat Martin Gröll aus Friedewald

Wähler will den Wechsel

Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau: So geht es auch Martin Gröll. Seine Ehefrau Katja steht voll hinter seiner Kandidatur. In den vergangenen sieben Jahren haben die beiden gelernt, sich mit der knappen Zeit eines Bürgermeisters familiär zu arrangieren. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Beim Lolls-Empfang der Hersfelder Zeitung hat es gefunkt. Dort trafen sich der Bürgermeister von Friedewald, Martin Gröll, und Vertreter der Freien Wählergemeinschaft (FWG). Und dort wurde auch die Idee geboren, dass Gröll mit Unterstützung der FWG als Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Bad Hersfeld antreten wird. Kai A. Struthoff sprach mit Martin Gröll über seine Kandidatur.

Herr Gröll, Sie bezeichnen es als ganz normale berufliche Entwicklung, dass Bürgermeister irgendwann auch andere Aufgaben übernehmen. Glauben Sie, dass Ihre Wähler in Friedewald das auch so sehen?

Martin Gröll: Ja, so tolerant muss man sein. Motivierte Menschen schauen sich eben irgendwann nach einer neuen Herausforderung um. Kein Mensch ist unersetzbar, auch ich nicht. In Friedewald wird es einen neuen Bewerber geben, der den Job genauso gut macht. Die Gemeinde ist ja auch gut aufgestellt.

Hinterlassen Sie ein aufgeräumtes Haus?

Gröll: Alle laufenden Projekte sind gut vorbereitet. Unser Gewerbegebiet ist einer der größten Erfolge für die Gemeinde und unserer wichtigster Geldbringer. Die größten Projekte sind die Kanal-Plus-Vorhaben, wie in alle anderen Gemeinden auch. Dafür müssen wir Darlehen aufnehmen, niemand hat in der Vergangenheit dafür Rücklagen bilden können. Wie in jeder anderen Gemeinde auch muss dies durch Beiträge und Gebühren sehr langfristig refinanziert werden, das steht auch so im Gesetz. Bei der Gewerbesteuer gibt es neue und gute Signale von unseren Logistikern, die die Krise gut bewältigt haben. Deshalb bin ich sicher, dass die Gemeinde gut aufgestellt ist.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, zum Beispiel zum Bau der DRK-Residenz. Haben Sie sich da etwas vorzuwerfen?

Gröll: Nein, ganz im Gegenteil. Eigentlich wollten wir mieten. Auf eine offizielle Kostenkalkulation hat die Gemeinde bis Januar 2010 gewartet. Dann kam der große Schlag mit einer Miete von über 12 Euro pro Quadratmeter, beim eventuellen späteren Kauf sollte die Gemeinde plötzlich 218 Euro pro Quadratmeter allein für das Grundstück zahlen. Das habe ich gemeinsam mit allen Fraktionen verhindert. Denn das können wir den Bürgern nicht zumuten. Bei der Kalkulation ist beim DRK irgendwas schief gelaufen. Vorher ist ja aus dem selbem Grund die Raiffeisenbank abgesprungen.

Den schwarzen Peter hat also das Deutsche Rote Kreuz?

Gröll: Das hat mit schwarzem Peter gar nichts zu tun. Aber wenn dort irgendwelche Kosten verbuddelt wurden, die wir nicht kennen, dann kann diese Suppe doch nicht von der Gemeinde ausgelöffelt werden. Wir sind nicht die Retter in der Not, wenn sich das DRK verspekuliert hat. Ich habe große Hochachtung vor der Arbeit der freiwilligen DRK-Mitglieder. Für die mangelnde Kostenkontrolle zeichnet allein die dortige Immobilien GmbH verantwortlich.

Sie kandidieren bewusst als Parteiloser. Aber der Mensch Martin Gröll – ist der eher links oder rechts?

Gröll: (lacht) Das versucht man in Friedewald seit sieben Jahren rauszubekommen. Mir geht es bei meiner Arbeit nur um die Sache. Was ich bei Bundes- oder Landtagswahlen wähle, bleibt mein Geheimnis.

In Bad Hersfeld gibt es in der Stadtverordnetenversammlung aber klare politische Lager. Wie würden Sie damit umgehen?

Gröll: Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr dialogfähig bin. Für mich ist zunächst die von den Bürgern gewählte Mehrheitsfraktion mein Ansprechpartner. In der Sacharbeit behindern Ideologien oder Parteilinien ohnehin meist nur.

Sie wirken sehr selbstbewusst. Haben Sie gar keinen Respekt vor Bürgermeister Boehmers großen Fußstapfen?

Gröll: Respekt ja, Fußstapfen nein. Da will ich aber auch gar nicht reintreten. Ich werde meine eigenen Fußstapfen setzen. Die Vergangenheit muss jeder selbst bewerten. Ich will voran gehen und kann deshalb gar nicht in die Fußstapfen der Vergangenheit treten.

Sie haben einige Kernbereiche Ihres Wahlkampfes definiert. Was ist Ihnen am Wichtigsten?

Gröll: Das ist natürlich die Finanzlage. Ich bin zurzeit dabei, den Hersfelder Haushalt und die Wirtschaftsberichte zu analysieren. Auf den ersten Blick gibt es da noch Spielräume, aber für die Zukunft muss man das steuern und dabei die Wahrheit sagen.

Das Zukunftsprojekt schlechthin, der Schilde-Park, wurde von Ihnen nicht erwähnt. Warum?

Gröll: Weil das für mich eine absolute Selbstverständlichkeit ist. Ich kenne die Pläne, da ist nichts hinzuzufügen. Das wird eine großartige Sache. Ich stehe voll hinter diesem Projekt.

Bürgermeister Boehmer hat angeboten, dieses Projekt bei der Stadtentwicklungsgesellschaft weiter zu begleiten. Könnten Sie sich eine solche Aufgabenteilung vorstellen?

Gröll: Definitiv nein! Wenn ein Wechsel stattfindet, sollte er komplett stattfinden. Ich respektiere, was Herr Boehmer geleistet hat. Er hat viele Innovationen in dieses Projekt eingebracht. Aber ich glaube, dass auch die Bürger einen kompletten Wechsel der Verantwortung wollen.

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