Ungeschminkte Bilanz: Intendant Holk Freytag setzt auf hohes künstlerisches Niveau

Wachstum durch Qualität

Hitzige Debatte im heißen Zelt: Die Zukunft der Bad Hersfelder Festspiele lässt keinen kalt. Mit HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm diskutierten unter anderem 1. Stadtrat Dr. Rolf Göbel, Intendant Holk Freytag und Hotelier Achim Kniese (von links). Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Hitzig haben die Festspiele begonnen. Und heiß war es auch zum Abschluss. Wie in einer Sauna stand die Luft im bis auf den letzten Platz besetzten weißen Loungezelt vor der Ruine. Trotzdem ließen es sich die Bad Hersfelder Festspielfans nicht nehmen, mit Intendant Holk Freytag, vielen Festspiel-Stars und Vertretern der Stadt eine „ungeschminkte“ Bilanz der Spielzeit zu ziehen, die von HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm moderiert wurde.

Rede wie im Baumarkt

Die wohl deutlichsten Worte in der Diskussion um die Qualität der Festspiele fand Hersfeld-Preisträger Stephan Schad („Nathan“) . Er bezeichnete den politischen Streit in der Stadt als „Dilettantismus“. Bei Bürgermeister Thomas Fehling, der selbst nicht an der Diskussion teilnahm, vermisste er die nötige Begeisterung für die Festspiele. „Seine Rede zur Festspiel-Premiere hätte er auch bei einer Baumarkt-Eröffnung halten können.“

Schad, der seinerseits vor Begeisterung für die Festspiele sogar einen Fernsehdreh auf Hawaii abgesagt hatte, warb für Festspiele auf hohem Niveau und nannte als bespiel dafür eben Lessings „Nathan“. Dem schloss sich auch seine Mitspielerin Charlotte Puder (Recha) an. Sie sei „fast eingeschüchtert“ von der hohen Konzentration, mit der das Publikum dem Stück folge.

Auch Musical-Star Walter Reynolds lobte die Begeisterung und die Herzlichkeit der Menschen in der Stadt. Er regte an, Bad Hersfeld in Bad Herzfeld umzubenennen. Auch er würdigte das Niveau und das politische Engagement der Festspiele. Das Musical „Show-Boat“ etwa sei eine Produktion, „die man so nie in den USA hätte machen können“.

Ein Plädoyer für Qualität hielt auch Maddalena Noemi Hirschal. Trotz des schwierigen Stoffs hätten gerade junge Menschen beim „Tagebuch der Anne Frank“ große Lust gezeigt, Theater zu erleben. Gerührt erzählt sie, dass ihr Kinder sogar ihre eigenen Tagebücher geschickt hätten.

Ebenso wichtig wie die künstlerische Qualität der Festspiel-Stücke sind allerdings auch die Rahmenbedingungen. So beschrieben der Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Guido Spohr, und der technische Leiter der Festspiele, Hans Hagenauer, die Anstrengungen auf dem Weg zu klima-neutralen Festspielen – etwa durch den Einsatz von energiesparenden LED-Scheinwerfern. „Wir geben uns damit ein neues Image, das man pflegen und den Zuschauern auch vermitteln kann – und das inzwischen auch in den Ministerien angekommen ist“, sagte Spohr.

Hauptthema der „ungeschminkten“ Diskussion war aber der politische Festspielstreit zwischen Intendanz und Stadt. „Es muss anders werden, um besser zu werden“, sagte Hotelier und Stadtmarketing-Chef Achim Kniese und erinnerte an die betriebswirtschaftliche Bedeutung der Festspiele für die Stadt, die auch ein Erfolgsfaktor sei.

Stadt an der Schallgrenze

Das erkennt auch Intendant Holk Freytag. „Mehr Zuschauer und Wachstum bekommt man nur durch gesteigerte Qualität“, sagte er „man dürfe die Festspiele nicht kleiner machen“. Er räumte ein, dass das finanzielle Engagement der Stadt an der Schallgrenze sei, und hofft deshalb auf potente Sponsoren aus der Wirtschaft.

Festspiel-Abschluss-Matinee

Für die Stadt dankte der 1. Stadtrat Dr. Rolf Göbel dem Intendanten. „Dieses Jahr war absolute spitze“, sagte er. Er mahnte, dass die Diskussion um die Zukunft der Festspiele in den Gremien und nicht auf dem öffentlichen Markt geführt werden müsse – „sonst haben wir schon verloren.“

Von Kai A. Struthoff

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