Gedenkveranstaltung mit Bilderausstellung zur Befreiung von Auschwitz

„Wachsam bleiben“

Erinnerung: Dekan Dr. Frank Hofmann, Erster Stadtrat Dr. Rolf Göbel, der Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Werner Schnitzlein, Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt und Stadtverordnetenvorsteher Prof. Lothar Seitz (von links) waren ins Bad Hersfelder Kinocenter gekommen, um am internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocausts des „Gipfels der Unmenschlichkeit“ (Dr. Göbel) zu gedenken. Fotos: Apel

Bad Hersfeld. Sollen die Deutschen angesichts des von Hitler-Deutschland organisierten Völkermords bis in alle Ewigkeit Schwarz tragen, wie es Staatsanwalt Johann Radmann in dem Film „Im Labyrinth des Schweigens“ fordert? Oder ist 70 Jahre nach der Befreiung der Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee die Zeit gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen, wie es nach einer ganz neuen Umfrage immerhin 58 Prozent der Deutschen für richtig halten?

Beide Fragen standen am Dienstagabend bei der Gedenkveranstaltung der Christlich-Jüdischen Gesellschaft im Bad Hersfelder Kinocenter anlässlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Holocausts im Raum.

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt beleuchtete die Ursachen der Entwicklung von der demokratisch verfassten Weimarer Republik zum Terrorstaat. Er bezeichnete den 27. Januar als Tag, der dazu auffordere, wachsam zu bleiben und dafür zu sorgen, dass „unsere jungen Leute aufgeklärt werden“.

Erster Stadtrat Dr. Rolf Göbel zitierte Erich Kästner: „Was in den Lagern geschah, ist so fürchterlich, dass man darüber nicht schweigen darf und nicht sprechen kann.“ Er verwies darauf, dass Auschwitz für den Zivilisationsbruch schlechthin stehe, und dass „nicht wir“ bestimmen können, wann Schluss sein müsse mit dem Thema: „Die Entscheidung darüber liegt allein bei den Opfern und deren Kinder, Enkel und Urenkel. Wir müssen uns stellen!“ Wenn dumpfe Parolen in Attentate umschlügen, sei es darüber hinaus Pflicht eines jeden Menschen, dazu beizutragen, dass ein derartiges Grauen wie in Auschwitz nicht wieder geschehe.

Das Gewissen schärfen

Dekan Dr. Frank Hofmann sprach sich für die Entwicklung einer Gedächtniskultur aus: „Der 27. Januar mahnt uns, das Andenken der Ermordeten zu ehren und unser Gewissen zu schärfen.“ Angesichts eines gerade in letzter Zeit zunehmenden Sündenbock-Denkens gelte es, der Gefahr der Ausgrenzung und „dem Ungeist der Menschenverachtung entgegenzutreten, wo er unter uns Raum zu greifen droht.“

Dass Werner Schnitzlein, der Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, zur Gedenkveranstaltung ins Kinocenter eingeladen hatte, hatte seinen Grund darin, dass das Lichtspielhaus genau auf dem Platz erbaut worden ist, auf dem bis zum 8. November 1938 die Hersfelder Synagoge stand. Daran erinnerte der Friedloser mit einer kleinen Bilderausstellung. Zum anderen bot sich damit aber auch die Möglichkeit, den etwa 100 Veranstaltungsteilnehmern den 2014 entstandenen Film „Im Labyrinth des Schweigens“ zu zeigen. In ihm wird sehr eindrücklich und anrührend dargestellt, wie schwierig es war, das Grauen von Auschwitz strafrechtlich aufzuarbeiten und zumindest einige der Täter anzuklagen.

Bedenkenswert ist der Schlusssatz von Staatsanwalt Johann Radmann: „Die einzige Antwort auf Auschwitz ist, selber das Richtige zu tun.“

Von Wilfried Apel

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