Islamische Vereine in Bad Hersfeld und Bebra verurteilen den Terror, kritisieren aber die Zeichnungen ihres Propheten

Vorurteilen keine Chance geben

Töten ist Sünde: Yalcin Solak, Imam Celal Dogan, Hasan Hüseyin Corum und Altin Bas (von links) von der Türkisch-Islamischen Gemeinde fürchten, unter Generalverdacht gestellt zu werden. Foto: Maaz

Bad Hersfeld/Bebra. Konkrete Konflikte vor Ort fürchten die Vertreter der islamischen Gemeinden in Bad Hersfeld und Bebra nach den Ereignissen der vergangenen Tage nicht. Gleichwohl sorgen sie sich um das Bild des Islam, und auch sie fühlen sich von Karikaturen wie denen des französischen Magazins „Charlie Hebdo“ gekränkt.

„Man darf den Propheten nicht abbilden“, sagt Hasan Hüseyin Corum von der Türkisch-Islamischen Ditib-Gemeinde Bad Hersfeld. Deren Vorsitzender Yalcin Solak erklärt das damit, dass dieser nicht „vergötzt“ werden solle. „Wir können es nicht akzeptieren, wenn sich jemand über unseren Glauben lustig macht, wie auch wir uns nicht über andere Religionen lustig machen“, so Corum. Die neuen Karikaturen des Satiremagazins empfinden die Muslime als Provokation.

„Friedliche Religion“

Bei aller Empfindsamkeit sei aber natürlich klar: Nichts rechtfertige es, andere Menschen zu töten. „Auch im Islam ist das Töten eine Sünde“, erklären die Muslime. „Der Islam ist eine friedliche Religion.“ Auch der Ditib-Bundesvorstand verurteilte die Anschläge in Paris als „niederträchtig und absolut inakzeptabel“.

„Es ist traurig, wenn nun alle Muslime unter Terrorverdacht gestellt werden“, lässt der Imam der Bad Hersfelder Moschee Celal Dogan übersetzen. „In jeder Glaubensrichtung gibt es schlechte Menschen.“

Auch die großen, gemeinsamen Kundgebungen von Politikern und Glaubensvertretern finden die Vereinsvertreter eigentlich richtig, sie geben allerdings zu bedenken, dass es so etwas in anderen Fällen nicht gab – zum Beispiel nach Bekanntwerden der NSU-Mordserie in der Bundesrepublik mit zehn Opfern, darunter Türken und Griechen.

Um Vorurteilen oder Ängsten keine Chance zu geben, sei es wichtig aufeinander zuzugehen und sich kennenzulernen. „Wir wollen zeigen, dass wir offen sind und den Dialog zwischen den Religionen weiter ausbauen“, sagt Altin Bas und verweist auf regelmäßige Aktionen des Vereins wie das jährliche Sommerfest und den Kontakt zu Kirchen, Vereinen und Schulen. Viele Vorurteile entstünden, weil man sich fremd sei.

Über 80 Mitglieder zählt der Bad Hersfelder Verein zurzeit, wobei nicht nur türkische Muslime in die Moschee an der Dudenstraße zum Beten kommen, sondern auch Menschen aus Afrika oder den Balkanländern.

Auf Offenheit und viele Kontakte setzt auch der erste Vorsitzende des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Ditib in Bebra, Fatih Evren, der in der Sache ähnlich denkt wie seine Glaubensbrüder aus Bad Hersfeld. „Gott allein schenkt und nimmt uns das Leben“, erklärt er die Sünde des Tötens mit Blick auf den Koran. Auch auf der Arbeit habe er in den vergangenen Tagen mit seinen Kollegen auf Nachfrage über das Thema diskutiert. Der Verein in Bebra hat 110 feste Mitglieder. „Unsere Moschee ist für jeden geöffnet“, sagt Evren. Auch in Bebra sind nicht nur türkische Muslime zu Gast, sondern auch deutsche, albanische oder äthiopische. (nm)

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