Bäume unter Strom: Alheim, Neuenstein und Ludwigsau wollen die Waldtangente

Vorrang für Menschen

Thomas Baumann

Ludwigsau. Die Gemeindevertretung von Ludwigsau hat frühzeitig eine Alternativtrasse als sogenannte „Waldtangente Ludwigsau“ in das Verfahren eingebracht, die den Schutz der Menschen im oberen Rohrbachtal in den Vordergrund rückt. Dem Gegenüber hat sich beispielsweise die Waldgesellschaft der Riedesel im Verfahren für die Mitbenutzung der jetzigen Stromtrasse ausgesprochen.

„Leider haben es der Investor TenneT sowie die entsprechenden Gremien der Hessischen Landesregierung bislang nicht für notwendig erachtet, sich in dieses Verfahren einzubinden und die gesamte Abwägungsbelastung dem Regierungspräsidium Kassel als Raumordnungsbehörde überlassen“, bemängelte dazu Bürgermeister Thomas Baumann.

Er fand es von daher äußerst befremdlich, dass sich erst vor einer Woche Landespolitiker von CDU und FDP als Arbeitsgruppe bei einer Sommerbereisung in Mecklar über die Pläne informierten.

Erklärtes Ziel des Trassenvorschlages der Kommunen Alheim, Ludwigsau und Neuenstein ist es, Konflikte mit dem höchsten Schutzgut, nämlich dem Menschen, zu minimieren. Die „Waldtangente“ gewährleistet, dass die Trassenvariante A, die sogenannte Westtrasse, von den Menschen in Gerterode, Niederthalhausen, Oberthalhausen, Emmrichsrode, Hainrode und Ersrode abrückt.

„Zudem fällt die Leitung durch die Waldtangente etwa sieben Kilometer kürzer aus“, betont Bürgermeister Baumann.

Allerdings wird durch die Abkürzung zum Umspannwerk auf dieser Länge der Riedeselsche Hochwald benötigt. Ein Umstand, den Privatwaldbesitzer Tilo von Gilsa nicht begeistert aufnahm. Bei der vom Netzbetreiber vorgesehenen Trassenvariante sind die Abstandsflächen zu Ortslagen teilweise nur durch kleinräumige Verschwenkungen der Trassenachse, eine sogenannte Zickzack-Leitungsführung, zu ermöglichen.

Die beteiligten Kommunen haben vorgeschlagen, zwischen den Maststandorten 527 und 544 in weiten Teilen die Leitung über den Wald zu führen.

„Trassenfestlegungen müssen mit den Menschen und nicht im letzten Schritt durch die Gerichte erfolgen.“

Thomas Baumann

„Dies hat den Vorteil, dass Bäume bis zu einer Höhe von etwa 40 Metern sich normal entwickeln können und nur die eigentlichen Maststandorte im Wald errichtet werden müssen“, erklärt Bürgermeister Baumann.

Durch weit ausgebaute Höhenwege sei der Trassenbereich wirtschaftlich gut zugänglich und bereits in diesem Bereich baumwuchsfrei. „Nachdem seitens der Bundesregierung neuerdings die Notwendigkeit gesehen wird, in bislang geschützten Bereichen, beispielsweise zusammenhängenden Waldgebieten, eine Neustrukturierung des überregionalen Stromnetzes zu ermöglichen, muss darüber nachgedacht werden, Korridorbereiche zu schaffen“, regt Thomas Baumann an. Darüber hinaus erfüllten neue Trassen neue Gassen für die Waldbrandbekämpfung. Eine Alternative sei nur die Teilverkabelung.

Weitere Netzverstärkung nötig

„Bei alledem müssen wir uns bewusst sein, dass es mit den jetzt in der Planung befindlichen Fernleitungen am Ende nicht getan ist“, stellt Baumann fest. Eine weitere Netzverstärkung werde bei einem Umbau der gesamten Energiestruktur in Deutschland wie Europa notwendig sein. Dieses gehe nur mit den Menschen, statt gegen die Menschen. WEITERER BERICHT

Von Kurt Hornickel

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