Hersfelder Weihnachtsspiel im J.S.Bach-Haus schlägt einen Bogen über Jahrhunderte

Vorfreude auf Heiligabend

Mit der Inszenierung des Hersfelder Weihnachtsspiels lösten der Kinderchor des Hersfelder Bach-Hauses, die Solisten und Kammermusiker unter Leitung von Siegfried Heinrich große Begeisterung aus. Foto: Urban

BAD HERSFELD. An ein mittelalterliches Mysterienspiel angelehnt ist das Hersfelder Weihnachtsspiel, das Christa Heinrich erarbeitet und mit vielen bekannten Weihnachtsliedern ausgestaltet hat. Neben dem Kinderchor des Hersfelder Bach-Hauses brillierten am Samstag Solo-Sängerinnen und -Sänger sowie Mitglieder des Hessischen Kammerorchesters Frankfurt unter der musikalischen Leitung von Siegfried Heinrich.

In weißen Gewändern schreitet die Schar kleiner Engel durch die Zuschauerreihen, bevor sie im Halbkreis den Ort des Geschehens markiert. Pfarrer Harald Krüger leitet mit der Lesung der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium die einzelnen Spielszenen ein. Die vier Kammermusiker und Siegfried Heinrich geben mit Blockflöten, Geigen und Orgel den Ton an, Chorleiterin Tatiana Bauer hebt die Hand und führt die hellen Kinderstimmen mit sanften Wellenbewegungen zu einer harmonischen Gesangseinheit.

Maria (Eva Savci-Janssen) und Josef (Uwe Eichardt) wandern zu „Maria durch den Dornwald ging“ über die Bühne nach Bethlehem. In den Kostümen von Ute Krajewski scheinen sie einem mittelalterlichen Heiligenbild entsprungen zu sein, ebenso wie die opulent gekleideten Heiligen Drei Könige (Tobias Hooge, Stephan Schmidt und Marius Hul-Waskowiak). „Kommt und lasst uns Christum ehren“ ist das erste von vier Liedern, die Akteure und Zuschauer unter Rainer Lehns Orgelbegleitung gemeinsam anstimmen.

Ruppiger Wirt

Wenig ehrenvoll behandelt der Wirt (Horst Müller) das Heilige Paar auf Herbergssuche. In ruppigem Sprechgesang mit Hersfelder Akzent fragt er: „Wer klopfet an?“ und schickt die beiden trotz perfekt intonierter Bitten weiter.

Christi Geburt und die Verkündung der Engel begleiten die Kammermusiker sowie Heinrich am Spinett fast mystisch, einfühlsam und warmherzig, bevor die jungen Hirten singend ein Lamm und warme Felle bringen.

Ihnen folgt ein Fremdling (Birgit Küllmar), der dem Kind mit voller, weicher Altstimme huldigt, sowie die Heiligen Drei Könige, die unter gekonnt herrschaftlich interpretierten Klängen einziehen und den Anbetungsreigen abschließen. Am Sonntag durften sich Besucher der evangelischen Kirche in Langenschwarz und der Stiftskirche St. Johannes der Täufer und St. Cäcilia in Rasdorf über die mittelalterlich anmutende Inszenierung mit perfekt dargebotener Musik aus vielen Jahrhunderten freuen.

Von Dagmar Urban

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